Bei ihrer Suche nach der Quelle für die Infektionen mit dem gefährlichen Darmbakterium Ehec kommt die Frankfurter Gesundheitsbehörde voran. Alle der 19 bisher in Frankfurt Erkrankten haben in derselben Kantine einer Unternehmensberatung gegessen, sagte Oswald Bellinger vom Gesundheitsamt. Zwei Kantinen der Firma PWC waren bereits am Montag vorsorglich geschlossen worden.

Schuld sei wahrscheinlich eine belastete Lieferung an die Kantine: "Wir gehen davon aus, dass die Infektionsquelle in Norddeutschland liegt", sagte Bellinger. Derzeit werteten Experten die Lieferscheine der betroffenen Kantinen aus. "Wir gehen immer noch davon aus, dass die Übertragung durch Rohkost stattgefunden hat." Sicherheitshalber würden auch die Küchenmitarbeiter untersucht, Ergebnisse von Proben seien bis Ende der Woche zu erwarten, wie Bellinger sagte. So lange blieben die Kantinen geschlossen.

Insgesamt müssen nach Angaben des Gesundheitsministeriums von Dienstagmorgen 26 Menschen in Hessen wegen einer Infektion mit Ehec im Krankenhaus behandelt werden. Sie leiden unter dem sogenannten hämolytisch-urämischen Syndrom (HUS), das von dem Darmbakterium verursacht wird. In Norddeutschland sind zwei Frauen an den Folgen der Infektion gestorben. Bei einem dritten Fall wird die Todesursache noch untersucht.

Die Kantinen der Firma PWC werden unter anderem von der Sodexo Services GmbH mit Lebensmitteln beliefert. Das deutschlandweit aktive Unternehmen mit Sitz in Rüsselsheim hat Vorsichtsmaßnahmen getroffen. Vorerst verzichtet der Caterer darauf, Rohgemüse auszuliefern. Ob hier allerdings die Infektionsquelle zu suchen ist, muss derzeit noch ermittelt werden. Die Nachrichtenagentur dpa und der Radiosender RTL Radio Berlin hatten zuvor berichtet, dass sich auch Mitarbeiter von Kunden des Unternehmens in Berlin mit dem Bakterium infiziert hätten. Sodexo hingegen widerspricht dieser Darstellung und teilte mit: "Wir versichern, dass kein Mitarbeiter eines unserer Kunden in Berlin oder Brandenburg an Ehec erkrankt ist, soweit bekannt".

Zu den Sodexo-Kunden zählen allein in der Hauptstadt 150 Kitas und Schulen sowie 22 Kantinen, davon 20 aus Industrie und Wirtschaft und zwei aus den Bereichen Pflege und Gesundheit. Das Unternehmen verwies darauf, dass es in engem Kontakt mit den Behörden und Gesundheitsämtern stünde.

Das für Krankheitsüberwachung und -prävention zuständige Robert-Koch-Institut schließt Rohkost zwar als Infektionsquelle nicht aus, doch suchen die Mitarbeiter nach wie vor auch nach anderen möglichen Ursachen für den Ehec-Ausbruch. Neben Obst und Gemüse kämen ebenso andere ungekochte Lebensmittel in Betracht. Hinweise, dass sich der Erreger über rohes Fleisch oder Rohmilch verbreitet hat, gibt es derzeit aber nicht.

Bundesweit zählten die zuständigen Ämter bisher mehr als 400 Verdachts- und Krankheitsfälle. Allein in Schleswig-Holstein hatte sich die Zahl nach Angaben des Landesgesundheitsministeriums innerhalb eines Tages auf mehr als 200 verdoppelt. "Diese Entwicklung übersteigt jedes historische Maß", sagte der Mikrobiologe Werner Solbach vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein.

Bauern wehren sich gegen Vorwürfe, sie seien an der Verbreitung des Durchfallkeimes schuld. "Da wird gemutmaßt, dass Ehec-Erreger über Gülle auf das Gemüse gespritzt worden seien. Dabei ist es total abwegig, Gemüse mit Gülle zu düngen", sagte der Sprecher der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen, Bernhard Rüb. Das würde den Geschmack beeinträchtigen und könne auch Pflanzenkrankheiten verursachen. Gülle werde nur auf Getreide-, Mais- oder Rapsäckern versprüht, aber noch bevor ausgesät werde. Vermutungen, dass Ehec über Gemüse verbreitet worden sei, hätten unnötig Verunsicherung geschürt, sagte Rüb.