Der Darmkeim Ehec wird sich stärker ausbreiten, außerdem muss mit weiteren Todesopfern gerechnet werden. Das ist das Ergebnis eines Spitzentreffens von Bund, Ländern und Behörden zu der Epidemie. Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) zeigte sich nach dem Spitzentreffen in Berlin besorgt: "Ergebnis ist, dass leider weiter mit einer steigenden Fallzahl zu rechnen ist." Nach den Worten des Präsidenten des Robert Koch-Instituts (RKI), Reinhard Burger, seien weitere Todesfälle "eher wahrscheinlich".

Bislang starben in Deutschland mindestens 14 Menschen durch die Durchfallerkrankung – zwölf davon sind Frauen. Erstmals gab es jetzt auch Todesfälle außerhalb Norddeutschlands. In Nordrhein-Westfalen starben gleich zwei Frauen an den Folgen der Durchfallinfektion. Mecklenburg-Vorpommern meldete die erste Ehec-Tote. Die Zahl der Verdachtsfälle nahm am Montag bundesweit auf mehr als 1400 zu. Am Vortag waren es mehr als 1200. Mittlerweile gebe es 353 bestätigte Fälle mit der schweren Ehec-Komplikation Hus (hämolytisch-urämisches Syndrom).

Auch andere europäische Staaten melden Ehec-Fälle. Verbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) sagte: "Ehec hat längst eine europäische Dimension." Nach Angaben der EU-Kommission hat es in Schweden bisher 30 nachgewiesene Ehec-Fälle gegeben, 13 davon sind Hus-Patienten. Auch in Dänemark, Großbritannien, Österreich und den Niederlanden seien Menschen erkrankt, einige von ihnen schwer. Frankreich hat nach Medieninformationen drei Verdachtsfälle. Zudem sollen sich nach EU-Angaben auch US-Bürger mit der lebensgefährlichen Durchfallerkrankung infiziert haben.

Wie gefährlich ist der Erreger, der lebensgefährliche Darmerkrankungen auslösen kann? Was sie über Ehec wissen sollten. © Christian Charisius/dpa/lno

Hoffnungen im Kampf gegen Ehec macht eine kaum erforschte Therapie mit der Antikörper-Lösung Eculizumab. Die Medizinische Hochschule Hannover (MHH) meldete erste Erfolge bei der Behandlung von Hus-Patienten mit den Antikörpern. Gegen Ehec-Infektionen kam die Lösung vor dem aktuellen Ausbruch weltweit erst dreimal erfolgreich zum Einsatz: Derzeit zeige die Therapie kleine Erfolge. Allerdings sei Eculizumab kein "Wundermittel".

Auch am Hamburger Universitätsklinikum Eppendorf (UKE) kommt die Antikörper-Therapie zum Einsatz. Wie erfolgreich der Rettungsversuch sei, werde sich aber erst in drei bis vier Wochen zeigen, sagte der Nierenspezialist Rolf Stahl. Sorge bereiten den Ärzten Probleme mit dem Nervensystem bei vielen Hus-Erkrankten. Es gebe "zunehmend mehr neurologische Ausfälle" wie Sprachstörungen – ähnlich wie bei einem Schlaganfall  oder Zuckungen bis hin zu epileptischen Anfällen, erklärte der Neurologe Christian Gerloff. Diese sind Ursache der Giftstoffe, die die Ehec-Bakterien freisetzen. Sie gelangen über die Blutbahn auch ins Nervensystem.

Für die Ehec-Behandlung sind große Mengen an Blutplasma nötig. Ärzte können derzeit nur die Symptome einer Hus-Erkrankung lindern, etwa durch Infusionen mit Kochsalzlösung und Blutwäsche. Dafür sind größere Mengen Blut- und Plasmakonserven nötig. Einige Kliniken hätten mit Engpässen zu kämpfen, sagte der Sprecher der DRK-Blutspendedienste, Friedrich-Ernst Düppe. Das Deutsche Rote Kreuz verfüge aber noch über genügend Plasma-Konserven.