Der lebensgefährliche Darmkeim Ehec breitet sich kontinuierlich aus. Vier weitere Menschen sind an den Folgen von Ehec-Infektionen gestorben. Erstmals sind zwei Fälle in Nordrhein-Westfalen bekannt geworden. Zuvor war ausschließlich Norddeutschland von Todesfällen betroffen gewesen.

Beide Todesopfer in Nordrhein-Westfalen waren Frauen. Im Kreis Gütersloh starb eine 47-jährige Frau an den Folgen einer Infektion, teilte ein Sprecher des Kreises mit. Die Frau habe nach der Infektion unter Komplikationen, dem sogenannten hämolytisch-urämischen Syndrom (Hus), gelitten. Hus kann unter anderem zu Nierenversagen führen. Nach Angaben des nordrhein-westfälischen Gesundheitsministeriums hatte sich die Frau Mitte Mai in Norddeutschland aufgehalten.

Die zweite Frau aus NRW war ihrer Infektion schon am Wochenende erlegen, wie jetzt bekannt wurde. Die 91-Jährige war im Kreis Paderborn gestorben. Die Frau habe mehrere schwere Vorerkrankungen gehabt, teilte ein Sprecher des Kreises mit. Zudem starben in Schleswig-Holstein am Wochenende ein 75-jähriger Mann und in Mecklenburg-Vorpommern eine 87-jährige Frau.

Damit steigt die Zahl der Todesfälle bundesweit auf vierzehn, zwei der Opfer waren Männer. Zuvor waren insgesamt zehn Menschen in Schleswig-Holstein, Hamburg, Niedersachsen und Bremen an dem Erreger gestorben. Auch weiterhin infizieren sich viele Menschen mit dem Darmkeim: Die Zahl der bestätigten Infektionen und Verdachtsfälle stieg am Montag weiter an.

Nach einem Spitzentreffen von Bund, Ländern und Behörden sagte Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP), er rechne mit einer weiteren Ausbreitung des Darmkeims. Leider sei mit einer weiter steigenden Fallzahl zu rechnen, es gebe Anzeichen, dass die Infektionsquelle weiter aktiv sei. "Es wird weiter mit Hochdruck an der Identifizierung der Quelle gearbeitet."

Wie gefährlich ist der Erreger, der lebensgefährliche Darmerkrankungen auslösen kann? Was sie über Ehec wissen sollten. © Christian Charisius/dpa/lno

Auch Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) äußerte sich zum Ausmaß der Epidemie: "Ehec hat längst eine europäische Dimension." Aigner sagte, zum Schutz der Verbraucher sei es richtig gewesen, frühzeitig Verzehrhinweise zu geben.

Leichte Entwarnung konnte hingegen in Hamburg gegeben werden. Dort waren zuvor zwei Menschen an Infektionen gestorben, nun hat die Zahl der Ehec-Neuerkrankungen und Verdachtsfälle über das Wochenende aber abgenommen. Das teilte Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD) mit. Sowohl die Zahl der gemeldeten Ehec- als auch die der Hus-Fälle sei nicht mehr so schnell wie zuvor angestiegen. "Ich hoffe sehr, dass dies ein Indiz dafür ist, dass der Höhepunkt der Erkrankungswelle überschritten ist", hieß es in einer Mitteilung der Senatorin.

Trotzdem erneuerte der Präsident des Berliner Robert-Koch-Instituts (RKI), Reinhard Burger, die Empfehlung, Gemüse insbesondere in Norddeutschland nicht roh zu essen. Waschen des Gemüses allein biete keinen sicheren Schutz, sagte Burger. Er äußerte Verständnis für die Klagen der Bauern über Umsatzeinbrüche. "Doch Vorrang hat der Schutz der Gesundheit der Bevölkerung."

Die Folgen der Ehec-Epidemie in Deutschland bekommen indes auch Landwirte im Ausland immer deutlicher zu spüren. Wegen hoher Produktionsausfälle in der Landwirtschaft prüft Spanien nun Schadensersatzansprüche gegen Deutschland. Solche Forderungen seien nicht auszuschließen, sagte der spanische Agrarstaatssekretär Josep Puxeu nach Medienberichten. Deutsche Behörden hätten darüber spekuliert, dass die Infektionen ihren Ursprung in spanischen Gurken haben könnten. Dies habe dazu geführt, dass mehrere Länder und Handelsgesellschaften die Einfuhr spanischer Agrarprodukte eingeschränkt hätten.

Auch aus den Niederlanden kamen kritische Stimmen. Wegen mangelnder Nachfrage aus Deutschland ist dort der Export von Gemüse nach Deutschland nahezu zum Erliegen gekommen. Der niederländische Minister für Landwirtschaft und Außenhandel, Henk Bleker, sagte, sein Land sei dringend daran interessiert, dass baldmöglichst geklärt wird, woher die Ehec-Erreger kommen. Bei der Suche wollen die Niederlande Deutschland helfen: Überprüfungen von Rohstoffproduzenten seien im Gange, Ergebnisse würden noch am Montag erwartet, sagte Bleker.