Wo lauern Ansteckungsrisiken?

Die Infektionswege für Ehec sind vielfältig. Stets werden dabei winzige Fäkalspuren aufgenommen. Kinder stecken sich leicht bei Kontakt mit Nutztieren an. Baden in verschmutzten Gewässern kann ebenfalls eine Ansteckung nach sich ziehen – vor allem wenn Badewasser geschluckt wird. Und weil bereits infizierte Menschen den Erreger ausscheiden, sind auch Übertragungen von Mensch zu Mensch möglich. Ansonsten gelten als Hauptursache aber kontaminierte Lebensmittel: Riskant ist dabei der Verzehr von Rohmilchprodukten, die bei der Verarbeitung nicht erhitzt worden sind, oder von Rohwürsten wie Zwiebelmettwurst, Streichmettwurst oder Teewurst. Gemüse, das auf dem Feld mit Gülle gedüngt worden ist, kann ebenfalls verunreinigt sein.

Warum wurde vor Tomaten, Gurken und Blattsalaten gewarnt? Warum sollen keine Sprossen verzehrt werden?

Das RKI hatte 25 durch den Darmkeim Erkrankte und 96 gesunde Personen in Hamburg nach ihren Ernährungsgewohnheiten befragt. Dabei stellte sich heraus, dass die mit Ehec Infizierten häufiger Tomaten, Salat und rohe Gurken gegessen hatten. Dies nahmen die Experten zum Anlass, vor allem in Norddeutschland vor dem Verzehr dieser rohen Gemüsesorten zu warnen. Mittlerweile ist die Empfehlung wieder aufgehoben. Bisher ist aber nicht näher bekannt, wie sich die Betroffenen mit dem ursprünglich im Darm von Rindern lebenden Keim angesteckt haben. Normalerweise ist rohes Fleisch eher eine Ansteckungsquelle durch Ehec-Keime als Gemüse. Doch durch Lagerung, Transport und Verarbeitung können verschiedene Lebensmittel mit dem Erreger in Kontakt kommen. Obst und Gemüse können nach Informationen des RKI außerdem durch kontaminiertes Wasser oder Naturdünger mit dem Keim belastet werden.

Inzwischen stehen Sprossen unter Verdacht, mit dem Keim kontaminiert gewesen zu sein. Die Behörden raten vom Verzehr der Keimlinge ab. Der Sprossen-Verdacht würde sich mit der Angabe decken, dass viele Betroffene Salat gegessen haben, der häufig mit Sprossen garniert wird. Die Untersuchung des Betriebes in Uelzen läuft noch. Sollte sich der Verdacht bestätigen, heißt das aber nicht, dass nicht weitere Lebensmittel Ehec-Träger sein können. Noch ist nicht bekannt, wie der von Tieren stammende Keim auf die Lebensmittel übertragen worden sein könnte. Viele Indizien, wie etwa Handelswege und Lieferungen sprechen für die Sprossen als Ehec-Träger. Allerdings ist fraglich, ob der Erreger jemals auf den Keimlingen nachgewiesen werden kann. Betreffende Chargen sind vermutlich längst verkauft, verzehrt oder im Abfall gelandet. Die meisten Infektionsquellen bei Ehec-Ausbrüchen können Fahnder nie zweifelsfrei klären.

Wie kann man sich schützen?

"Solange das ursprünglich verunreinigte Lebensmittel und der Erzeuger nicht ausgemacht sind, müssen wir auf peinliche Hygiene achten", sagt der Mikrobiologe Karch. Im Einzelnen heißt das:

  • Gemüse und Obst gründlich reinigen
  • Vor allem norddeutsche Verbraucher sollten rohe Blattsalate, Tomaten und Salatgurken – und nun auch Sprossen – meiden
  • Messer und Schneidebretter für jedes Lebensmittel separat verwenden und anschließend gründlich säubern
  • Händewaschen vor der Zubereitung von Lebensmitteln
  • Fleisch gut durchgaren – die Temperatur beim Braten muss dabei auch im Inneren des Fleisches mindestens zehn Minuten lang mehr als 70 Grad Celsius betragen
  • auf Rohmilchprodukte verzichten
  • Fleisch und Gemüse im Kühlschrank getrennt voneinander lagern und getrennt zubereiten
  • Putz- und Spüllappen in kurzen Abständen erneuern oder auskochen

Das RKI empfiehlt allen Menschen mit Durchfall, sich stets gründlich die Hände zu waschen und/oder sie zu desinfizieren, insbesondere wenn Kleinkinder oder immungeschwächte Menschen in der Nähe sind. Eine Impfung gegen Ehec gibt es nicht. Auch Kindern, die Kontakt zu Tieren hatten, sollten immer gründlich die Hände gewaschen werden. Erkrankt ein Familienmitglied, sollten die Toilette und Flächen, die der Erkrankte berührt, regelmäßig gereinigt und desinfiziert werden. Auch das Bundesamt für Risikobewertung hat die wichtigsten Empfehlungen für Verbraucher zusammengestellt.

Sollten Betroffene Antibiotika nehmen?

Nein. Eine Studie, die 2000 im New England Journal of Medicine veröffentlicht wurde, legt sogar nahe, dass Antibiotika den Verlauf der Krankheit verschlimmern können. Unter den Probanden, die Antibiotika bekommen hatten, entwickelten mehr ein hämolytisch-urämisches Syndrom als jene, die keine Medikamente einnahmen. Der Grund: Da die Mittel die giftigen Bakterien zerstören, wird durch das Medikament vermutlich noch mehr der Toxine im Darm freigesetzt. Medikamente, die gezielt gegen Ehec wirken, sind nicht bekannt.

Wie werden die Patienten in den Kliniken behandelt?

Wenn die Menschen an Hus leiden, verläuft im Körper eine gefährliche Kettenreaktion. Die Nieren werden durch die Gifte aus den Bakterien geschädigt. Blutplättchen bilden sich und verstopfen die Gefäße. Um diesen Prozess aufzuhalten, setzen die Ärzte in deutschen Universitätskliniken jetzt ein Medikament ein, das den Antikörper Eculizumab enthält. Anlässlich des Ausbruchs hatten drei Ärzteteams aus Heidelberg, Paris und Montreal vergangene Woche unabhängig voneinander drei Fallbeispiele im New England Journal of Medicine veröffentlicht: Alle drei hatten im Jahr 2010 ein schwer an Hus erkranktes Kleinkind zu behandeln und entschieden sich als letzten Ausweg für den Einsatz von Eculizumab. Mit Erfolg. Ob das Mittel auch die jetzt in Lebensgefahr schwebenden Erwachsenen retten kann, wissen die Mediziner erst in ein paar Wochen.

Wozu dient der jetzt entwickelte Schnelltest?

Nachdem die Forscher um den Hygieniker Helge Karch aus Münster den Erregertyp des Keims identifiziert hatten, haben sie einen Schnelltest entwickelt, mit dem Ärzte ihre Patienten auf Ehec untersuchen können. Der Test steht Laboren seit dem 30. Mai zur Verfügung und dient zur Diagnostik der Darminfektion bei Patienten, kann aber auch zur Analyse von Proben aus Lebensmitteln zur Bestätigung verwendet werden. "Mit dem Test kann der Nachweis erbracht werden, ob eine Person mit dem aktuellen Ehec-Erreger infiziert ist. Dabei wird in den Proben nach vier Genen gesucht, die in ihrer Kombination so nur bei dem aktuellen Ausbruchsstamm Husec 041 auftreten", sagte Karch. Menschen, die jetzt an Durchfall erkranken, bekommen durch den Test schnell Gewissheit, ob sie sich mit dem Ehec-Keim infiziert haben. Außerdem können Ärzte auch entlassene Patienten mit dem Test noch eine Weile überwachen: Auch wenn keine Symptome mehr auftreten, können Infizierte den Erreger noch in sich tragen und andere anstecken.

Was tun die Behörden?

Seit dem Jahr 2001 besteht in der Bundesrepublik eine Meldepflicht für Ehec-Infektionen. Fälle müssen den Gesundheitsämtern mitgeteilt werden. Deuten diese Zahlen dann auf einen größeren Ausbruch hin, versuchen die Behörden eine gemeinsame Infektionsquelle ausfindig zu machen. Möglichst alle Betroffenen werden befragt, ob sie ein bestimmtes Produkt gegessen haben oder aus ein und derselben Großküche versorgt worden sind. Die lange Inkubationszeit macht es allerdings schwer, solche Gemeinsamkeiten zwischen den einzelnen Fällen zu entdecken. Bei den letzten größeren Ehec-Ausbrüchen ist es deshalb oft nicht gelungen, die Quelle zu lokalisieren.