Gesundheitsminister Daniel Bahr sieht Chancen für ein baldiges Ende der Ehec-Epidemie in Deutschland. "Das ist Anlass für berechtigten Optimismus", sagte der FDP-Politiker in der ZDF-Sendung Maybrit Illner. Entwarnung könne aber noch nicht gegeben werden. Bisher sind in Deutschland 29 Menschen nach einer Ehec-Infektion gestorben.

Der Minister verteidigte die bestehenden Strukturen des Gesundheitssystems bei der Bekämpfung der Darmkrankheit. Er räumte aber zugleich Mängel bei der Weitergabe der Informationen über die Erkrankungen an das Robert-Koch-Institut (RKI) ein. "Die Kommunikation ist nicht optimal gelaufen. Dass man sie verbessern muss, ist klar", sagte Bahr. Das RKI untersteht dem Gesundheitsministerium.

Auch Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner räumte Verbesserungsmöglichkeiten ein. Es gebe in Deutschland klare Absprachen und eine klare Kompetenzverteilung zwischen Bund und Ländern. "Aber natürlich ist nichts so gut, dass man es nicht noch verbessern könnte", sagte die CSU-Politikerin dem Hamburger Abendblatt. "Deshalb werden wir uns in den kommenden Wochen sicher zu einer Manöverkritik zusammensetzen." So werde man sich "mit der Frage zu beschäftigen haben, wer künftig in ähnlichen Fällen nach außen spricht".

Zuvor hatten Untersuchungen von Gurkenproben aus Magdeburg, auf denen der Erreger gefunden wurde, keine neuen Hinweise gebracht. Die Gemüsereste waren in einer Mülltonne gefunden worden, die einer an Ehec erkrankten Familie gehört. Das Bundesinstitut für Risikobewertung untersucht nun, ob es sich bei dem gefundenen Erreger um denselben aggressiven Typ O104:H4 handelt, der als Auslöser der aktuellen Krankheitswelle gilt.

Auch das Sprossengemüse von einem Betrieb im Kreis Uelzen in Niedersachsen halten Wissenschaftler nach wie vor für einen möglichen Träger des Erregers. "Es läuft alles auf diesen Betrieb hinaus, es läuft alles auf Sprossen hinaus", sagte der Sprecher des Landwirtschaftsministeriums in Hannover, Gert Hahne. Doch fehle weiterhin der Labornachweis.

Behörden in Hessen halten es für möglich, dass der Keim auch von Menschen übertragen wurde. Einem Bericht der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung zufolge könnte eine infizierte Angehörige einer Cateringfirma aus Hessen dafür verantwortlich sein, dass Ende Mai mindestens acht Gäste einer Festgesellschaft im niedersächsischen Göttingen an Ehec erkrankten.

"Wir haben Hinweise darauf, dass es sich in diesem Fall um eine Infektion vom Menschen handeln könnte", sagte eine Sprecherin des hessischen Gesundheitsministeriums. Die Behörden prüfen, ob die Frau den Erreger auf das gelieferte Essen übertragen haben könnte. Mindestens einer der erkrankten Gäste habe angegeben, weder Salat noch Gemüse oder Sprossen gegessen zu haben.