Bereits das Saatgut von Sprossen könnte den Ehec-Erreger in sich tragen. Deshalb raten Experten derzeit dringend dazu, auch auf den Verzehr von selbst gezogenen Sprossen zu verzichten.

Zwar wurde der Ehec-Erreger desselben Typs, an dem bereits mehrere Menschen gestorben sind, an Sprossen des Biohofs im niedersächsischen Bienenbüttel entdeckt. Noch ist aber ungeklärt, ob der Keim durch Mitarbeiter, Saatgut oder andere Quellen in den Betrieb gelangte. Drei Sprossen-Arten stehen besonders im Verdacht, die Quelle von Infektionen zu sein. Niedersachsens Gesundheitsministerin Aygül Özkan (CDU) sagte, fünf erkrankte oder positiv getestete Mitarbeiterinnen des Betriebes hätten vor allem Sprossen von Brokkoli, Knoblauch und Bockshorn gegessen.

Laut BfR gebe es einen Bericht Niedersachsens, wonach in einem Fall selbst gezogene Sprossen möglicherweise die Ursache für eine Ehec-Erkrankung in einer Familie gewesen waren. Daher warnt das BfR nicht nur vor gekauften, sondern auch vor selbst gezogenen Sprossen und Keimlingen. "Wenn bereits die Samen mit Keimen belastet sind, dann schützt auch die Einhaltung von Küchenhygieneregeln nicht vor einer Ehec-Erkrankung", mahnte BfR-Präsident Andreas Hensel.

Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) kündigte an, dass bundesweit schwerpunktmäßig Produzenten und Importeure von Sprossen und deren Produkte überprüft würden. Dabei würden auch Importe von Saatgut einbezogen, sagte Aigner der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

Ehec auch auf bayerischem Salat

Der Ehec-Erreger ist zum ersten Mal auf einem bayerischen Salat entdeckt worden. Allerdings sei noch nicht geklärt, ob es sich um den aktuellen Erreger-Typ handele, teilte das bayerische Landesamt für Gesundheit- und Lebensmittelsicherheit (LGL) in Erlangen mit.

Bisher haben sich nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) 3228 Menschen mit dem Ehec-Erreger infiziert und mindestens 36 Menschen sind an den Folgen der Infektion gestorben. Die Zahl der Neuerkrankungen nehme aber ab. Ob der Rückgang auf ein verändertes Essverhalten oder auf ein Versiegen der Infektionsquelle zurückzuführen ist, dazu kann das RKI keine Aussage machen.

Viele Ehec-Kranke in Deutschland werden ihre Erkrankung wohl nur mit schweren, bleibenden Gesundheitsschäden überleben. Etwa 100 Patienten seien so stark nierengeschädigt, dass sie ein Spenderorgan brauchten oder lebenslang zur Dialyse müssten, sagte SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach.

Taiwan kündigte an, ab Dienstag keine Sprossen mehr aus Deutschland einführen zu wollen. Russland will sein Importverbot für Gemüse aus der gesamten EU erst wieder aufheben, wenn es auf Ehec geprüft wurde und mit einem Laborzertifikat versehen ist.