Die niedersächsischen Behörden sind bei der Suche nach der Ursache der Ehec-Darminfektionen nach eigenen Angaben auf eine "starke Spur" gestoßen. Die Ermittlungen konzentrierten sich auf einen Gartenbaubetrieb in dem Landkreis Uelzen, der eine Vielzahl von Sprossen zieht. Dieser sei "als eine wesentliche Quelle" der derzeitigen Ehec-Infektionen anzunehmen, sagte Niedersachsens Landwirtschaftsminister Gert Lindemann.

Eine Mitarbeiterin aus dem betroffenen Betrieb sei nachweislich an Ehec erkrankt. "Das ist für uns die plausibelste Erkrankungsursache", sagte er. Sprossen waren vor Jahren die Ursache für eine schwere Ehec-Epidemie in Asien.

Es gebe bisher keine positiven Ehec-Befunde, aber viele gastronomische Betriebe seien von dort beliefert worden. Die Indizienlage sei "so eindeutig, dass das Ministerium empfiehlt, derzeit auf den Verzehr von Sprossen zu verzichten", hieß es in einer Mitteilung des Ministeriums. Definitive Aussagen könnten bis Montagmittag möglich sein, sagte Lindemann.

Der Betrieb ist seit dem heutigen Sonntag gesperrt, seine Produkte wurden zurückgerufen. Es kann jedoch laut Ministerium nicht ausgeschlossen werden, dass die mit dem Erreger kontaminierte Ware bereits vollständig verarbeitet und verkauft wurde. Die Behörden machten Abnehmer in Klein Meckelsen im Kreis Rotenburg (Niedersachsen), Lübeck, im Kreis Lüneburg und Bochum aus. Einige Sprossenmischungen, die als Ehec-Quelle im Verdacht stehen, kommen auch aus dem Ausland. Aus welchem Land genau Sprossenkeimlinge nach Niedersachsen importiert wurden, sagte Lindemann nicht.

Der Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI), Reinhard Burger, mahnte angesichts der Warnungen der niedersächsischen Behörden, zunächst die endgültigen Untersuchungsergebnisse abzuwarten. "Wir hüten uns im Moment vor vorzeitigen Befunden", sagte Burger. Es gebe eine Reihe von Ansatzpunkten, dem die Experten des RKI und der Länder jetzt nachgingen, um die Verbreitungswege zu finden. "Es gibt verschiedene Kantinen, es gibt verschiedene Restaurants. Es gibt Sprossen, und es gibt eine Reihe anderer Lebensmittel."

Auch Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) riet dazu, zunächst abzuwarten, bis klare Ergebnisse vorlägen. Er halte nichts davon, "Vermutungen und Spekulationen" an die Öffentlichkeit zu geben.