Der Erreger der derzeitigen Ehec-Epidemie ist nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Magdeburg auf Gurkenresten in Sachsen-Anhalt nachgewiesen worden. Allerdings könne nicht gesagt werden, ob der gefährliche Darmkeim nachträglich dorthin gekommen sei oder die frische Gurke bereits die Bakterien getragen habe, sagte der Ministeriumssprecher. Das nachgewiesene Bakterium sei vom Serotyp O104. Diese seltene Variante des Ehec-Keims breitet sich seit Anfang Mai in Deutschland und in weiteren europäischen Ländern aus.

Es ist der erste Nachweis des Ehec-Stamms auf einem Nahrungsmittel. Bislang wurde dieser nur bei infizierten Menschen nachgewiesen. Die zuvor auf Salatgurken aus Spanien entdecken Keime gehörten zu einem anderen Typ des Erregers, von dem es zahlreiche Varianten gibt. Sie waren nicht der Auslöser der schweren Durchfall- und Darmerkrankungen der vergangenen Wochen.

Die Gurkenreste stammen aus dem Haushalt einer Familie in Magdeburg, deren Mitglieder alle an Ehec erkrankt seien, sagte der Sprecher des Gesundheitsministeriums weiter. Der Vater sei ambulant behandelt worden, Mutter und Tochter stationär. Die Tochter habe das gefährliche Hu-Syndrom entwickelt, der schwersten Komplikation nach einer Ehec-Infektion. Sie sei aber mittlerweile auf dem Weg der Besserung. "Es lässt sich nicht fundiert schlussfolgern, dass die Gurke Auslöser für die Ehec-Erkrankungen gewesen ist", sagte der Sprecher. Lebensmittelkontrolleure hätten in allen von der Familie frequentierten Lebensmittelgeschäften Proben genommen, die alle negativ ausgefallen seien.

Sachsen-Anhalt gilt bislang nicht als Schwerpunkt der Epidemie: Insgesamt gibt es in dem Bundesland 32 Ehec-Fälle, davon 7 mit der schweren Verlaufsform Hus. Die Familienmitglieder seien die einzigen Ehec-Erkrankten in Magdeburg, sagte der Sprecher. Sie haben keine Verbindung nach Norddeutschland gehabt, dem eigentlichen Zentrum des Ehec-Ausbruchs.

Die Gurkenreste seien bereits am 30. Mai entdeckt worden. Behördenintern habe man den Vorfall weitergemeldet. An die Öffentlichkeit sei man nicht gegangen, da der Vorfall mit keiner Empfehlung oder weitergehenden Erkenntnis verbunden werden könne. Journalisten in Magdeburg hätten nachgefragt, ihnen habe man den Ehec-Fall bestätigt. Deswegen sei er erst jetzt bekannt geworden. Die Ermittler untersuchten auch Supermärkte, in denen die Familie eingekauft hatte. Nirgendwo wiesen die Proben Auffälligkeiten auf. Es sei auch nicht ausgeschlossen, dass die Familie erkrankt sei und von ihr der Erreger auf die Gurke übertragen wurde.

Wie gefährlich ist der Erreger, der lebensgefährliche Darmerkrankungen auslösen kann? Was sie über Ehec wissen sollten. © Christian Charisius/​dpa/​lno

Die EU-Kommission will die Gemüsebauern unterdessen für Verluste durch die Ehec-Krise höher entschädigen, als zunächst geplant. EU-Agrarkommissar Dacian Ciolos schlug vor, insgesamt 210 Millionen Euro auszuzahlen. Nach seinem ersten Vorschlag waren es 150 Millionen. Neun EU-Staaten, darunter auch Deutschland, hatten mehr Mittel gefordert. Wegen des Verdachts, dass Tomaten, Gurken und Salat die Ursache der lebensgefährlichen Darminfektion sein könnten, ist der Konsum dieser Produkte eingebrochen. Auch nach anderem Gemüse ging die Nachfrage stark zurück. Die EU will deshalb auch die Produzenten von Zucchini und Paprika für Umsatzeinbußen entschädigen.

Den Bauern könnte nach dem Vorschlag, dem die EU-Staaten noch zustimmen müssen, mindestens 50 Prozent der von Ende Mai bis Ende Juni anfallenden Umsatzeinbußen ausgeglichen werden. Landwirte, die Produktionsgenossenschaften angehören, bekommen von diesen zusätzliche Ausgleichszahlungen, so dass sie Ciolos zufolge bis zu 70 Prozent des Verlustes abdecken können.