Der Darmkeim Ehec breitet sich in Deutschland weiter aus. Die Zahl der gemeldeten Ehec-Infektionen und -Verdachtsfälle ist binnen eines Tages bundesweit von rund 1.500 auf 2.000 gestiegen.

Vor allem in Norddeutschland erhöhte sich die Zahl der gemeldeten Erkrankungen und Verdachtsfälle. Niedersachsen registrierte am Mittwoch 344 Verdachtsfälle, rund 80 mehr als am Vortag. Auch in Hamburg nahm die Zahl der Patienten zu. Die Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks sprach von einem "deutlichen Anstieg der Erkrankungsfälle". Derzeit gebe es 668 Ehec-Fälle oder Verdachtsfälle. Das sind 199 mehr als noch am Dienstag.

Zugleich gab es einen weiteren Todesfall. Am Sonntag starb in Hamburg eine 84 Jahre alte Patientin an der schweren Ehec-Komplikation Hus. Das hämolytisch-urämische Syndrom (Hus) kann zu lebensgefährlichen Nieren- und Nervensystemschäden führen. Damit sind bundesweit 16 Todesfälle registriert, 14 davon Frauen.

Auch Schleswig-Holstein meldet einen Anstieg der Ehec-Infektionen um rund 100 auf 458 Fälle. Sorge bereitet den Ärzten dort ein starker Anstieg neurologischer Komplikationen. "Wir haben Patienten, die überhaupt keinen Durchfall haben, aber schwere neurologische Symptome", sagte ein Klinikdirektor aus Kiel. Es könne beispielsweise zu epileptischen Anfällen kommen.

Die Suche nach der Quelle des Erregers geht unterdessen weiter. Es gebe keinen Anlass für Entwarnung, sagte Reinhard Burger, der Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI), während einer Sondersitzung des Bundestags-Verbraucherausschusses. Die Quelle sei unbekannt, und es sei nicht auszuschließen, dass sie weiter zu Infektionen führe. Erst in einigen Tagen werde sich zeigen, ob die Warnungen vor rohem Gemüse die Infektionen gebremst haben. "Man kann derzeit gar nichts ausschließen", sagte auch Verbraucherministerin Ilse Aigner (CSU).

Strittig ist nach wie vor die Frage, wie die Infektion übertragen wird. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch sei sehr unwahrscheinlich, wenn man normale Hygieneregeln einhalte, sagte Prüfer-Storcks. "Sehr viel wahrscheinlicher ist wirklich die Primärinfektion über ein Lebensmittel, das man zu sich nimmt." RKI-Präsident Burger mahnte hingegen insbesondere bei der Pflege erkrankter Angehöriger zu strikter Hygiene. Das gelte auch für Krankenhauspersonal. Er sehe "erste Hinweise, dass eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung erfolgen kann".