Russland greift wegen der wachsenden Zahl von lebensgefährlichen Ehec-Infektionen zu drastischen Maßnahmen. "Der Importstopp für frisches Gemüse aus den Ländern der Europäischen Union tritt in diesem Morgen in Kraft", sagte der Chef der russischen Verbraucherschutz-Agentur Gennadi Onischenko.

Als Grund nannte er, dass die Ehec-Welle bislang noch nicht unter Kontrolle gebracht wurde.

Ehec-Infektionen können schwere Durchfallerkrankungen auslösen. Die Zahl der Fälle hat sich unterdessen rapide erhöht. Innerhalb eines Tages stieg die Zahl der gemeldeten Ehec-Infizierten und -Verdachtsfälle allein in Deutschland von etwa 1500 auf 2000. Bisher sind mindestens 17 Menschen daran gestorben.

Onischenko forderte seine Landsleute zu großer Vorsicht beim Einkauf von Gemüse auf und riet ihnen, heimische Waren zu kaufen. Die EU kritisierte den russischen Schritt als "unverhältnismäßig". "Wir verlangen von Russland eine Erklärung", sagte der Sprecher von EU-Gesundheitskommissar John Dalli.

Die EU hatte erst am Mittwoch nach neuen Testergebnissen die europaweite Warnung vor spanischen Gurken aufgehoben, weil das spanische Gemüse nachweislich nicht verantwortlich für den Ausbruch von Ehec sei.

Die Quelle für den Erreger ist nach wie vor nicht bekannt. Der Sprecher von Gesundheitskommissar Dalli forderte Deutschland auf, alles daran zu setzen, um die Infektionsquelle für die Seuche rasch zu finden. "Die Behörden müssen mit Hochdruck danach suchen. Das wäre eine Erleichterung für ganz Europa und für alle Verbraucher", sagte der Sprecher.

Die deutschen Gemüsebauern und ihre Verbände fordern unterdessen Entschädigungszahlungen für Umsatzeinbrüche durch die Ehec-Krise. Die Erzeuger bräuchten kurzfristig finanziellen Ausgleich für die entstandenen und wohl weiter zu erwartenden Umsatz- und Ertragsausfälle, an denen sie nachweislich keine eigene Schuld trügen, hieß es in einer veröffentlichten Erklärung.

Wie gefährlich ist der Erreger, der lebensgefährliche Darmerkrankungen auslösen kann? Was sie über Ehec wissen sollten. © Christian Charisius/​dpa/​lno

Auch Spanien will Schadenersatz verlangen, weil sich die Einstufung von spanischen Gurken als Quelle für die Infektionen als falsch erwiesen haben. Sein Land werde "vor den relevanten Behörden in Europa Entschädigungen für den entstandenen Schaden fordern", sagte Regierungschef José Luis Rodríguez Zapatero. Innenminister Alfredo Pérez Rubalcaba hatte am Mittwoch gesagt, Spanien erwäge rechtliche Schritte gegen die Hamburger Behörden. Zapatero benannte nicht ausdrücklich, gegen wen sich die Forderungen richten könnten.

Unterdessen bestätigte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) neue Details zum gefährlichen Darmkeim. Untersuchungen der Behörde haben ergeben, dass der Stamm eine mutierte Form aus zwei E.-coli-Bakterien ist. Dieser Stamm produziere mehr Giftstoffe. Ein derartiger Stamm sei noch nie isoliert worden, sagte Hilde Kurde, eine Expertin der WHO für Lebensmittelsicherheit.