Die Warnung der Behörden, rohe Tomaten, Gurken und Blattsalate zu essen, ist zurückgenommen. Die Warnung für Sprossen bleibt dagegen bestehen. Das sagten Vertreter das Robert Koch-Instituts (RKI), des Bundesamtes für Verbraucherschutz und des Bundesamtes für Risikobewertung in einer gemeinsamen Pressekonferenz.

"Es sind die Sprossen", sagte der Präsident des RKI, Reinhard Burger. Ein direkter Nachweis an Sprossen direkt sei zwar noch nicht gefunden. Jedoch haben Studien in Restaurants zu dieser Annahme geführt. Der Zusammenhang zwischen Ehec-Infektionen und einem Sprossen-Hersteller in Niedersachsen erscheine immer wahrscheinlicher.

In einem neuen Verfahren wurden die Patienten nicht gefragt, welche einzelnen Lebensmittel sie gegessen hatten, sondern welche Menüs in Restaurants. Die Köche der betroffenen Restaurants gaben dann an, in welchen Mengen welche Zutaten in dem Menü vorhanden waren. Die Studie ergab, dass Restaurantbesucher, die Sprossen gegessen haben, ein neunfach höheres Risiko hatten, sich an Ehec zu infizieren, als solche, die keine gegessen hatten.

Die Lieferketten hätten dann zum Bauernhof in Niedersachsen geführt, erläuterte Burger. Der Biohof hat neben Sprossen auch Salate und Kräuter verkauft. Der Vertrieb von Sprossen ist seit vergangenem Freitag verboten. Mittlerweile sei der Hof ganz gesperrt, sagte Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU). Die Eingrenzung der Ursache der Ehec-Epidemie auf Sprossen begrüßte Aigner: "Wir sind ein Stück weit erleichtert."

Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) verteidigte die mittlerweile aufgehobene Warnung vor Gurken, Salaten und Tomaten: "Es war richtig. Gesundheit hat Priorität", sagte der Gesundheitsminister. Möglicherweise habe die Empfehlung auch dazu beigetragen, dass die Zahl der Neuinfektionen zurückgehe, weil Sprossen häufig mit Salaten gegessen würden.

Insgesamt gehe die Zahl der Neuinfektionen zurück, sagte Burger. Auch der erhöhte Anteil der erkrankten Frauen nahm ab. Burger sagte: "Der Ausbruch ist noch nicht vorbei."  Die klassischen Hygienevorschriften seien weiter zu beachten. Vorrätige Speisen, die mit Sprossen in Berührung gekommen seien, sollten vernichtet werden.

Tomaten, Gurken und Blattsalate empfehle Burger wieder "uneingeschränkt und mit Genuss zu verzehren". Bauernpräsident Gerd Sonnleitner reagierte erleichtert. "Der Verzehr wird jetzt sicher wieder auf normales Niveau ansteigen", sagte er. Die Agrarbetriebe hatten über Millioneneinbußen geklagt, nachdem Verbraucher kein frisches Gemüse mehr kaufen wollten. Russland zeigte sich nach EU-Angaben bereit, sein Importverbot für Gemüse aus Europa wieder aufzuheben.

In Deutschland sind bisher mindestens 30 Menschen durch einer Ehec-Infektion gestorben. Wie am Freitag bekannt wurde, starb schon vor einer Woche eine 75-Jährige aus dem Landkreis Göttingen. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts haben sich bisher fast 2.100 Menschen mit dem Ehec-Erreger infiziert.