Die Krankenkassen kritisieren die Vorschläge des Gesundheitsministeriums, die zahnärztliche Gebührenordnung zu verändern. Eine Änderung wie geplant könnte die Kosten von Zahnarztbehandlungen stark erhöhen, fürchten die Krankenkassen.

"Das dürfen wir im Interesse unserer gesetzlich Versicherten nicht einfach so hinnehmen", sagte der Vizechef des Verbands der gesetzlichen Krankenkassen, Johann-Magnus von Stackelberg, in Berlin. Der Gebührensatz für Zahnbehandlungen wird nach einem komplexen Punkteschlüssel ermittelt. Der einfache Gebührensatz kann dann aber – im Ermessen des Arztes – mit einem Steigerungssatz multipliziert werden, je nach Schwierigkeitsgrad und Zeitaufwand der Behandlung.

"Der Zahnarzt kann selbst entscheiden, welchen Steigerungssatz er für einzelne Leistungen benutzt", sagte Stackelberg. "Die Erfahrungen der letzten Jahre haben gezeigt, dass viele das obere Spektrum ausreizen." Deshalb kritisiert der Kassenfunktionär die Annahme der Regierung als "optimistisch knapp geschätzt", dass die Honorare durch die Reform insgesamt nur um sechs Prozent ansteigen würden. Der Verband der privaten Krankenversicherung hatte bereits geschätzt, dass das Honorarplus mindestens 14 Prozent betrage.

Die Preise für Behandlungen, die von gesetzlich Versicherten häufig nachgefragt werden, sollten aus Sicht der Krankenkassen niedriger sein.

"Die Vollkrone würde künftig rund 74 Euro mehr kosten", warnte Stackelberg. So eine Krone mache bisher in der Regel 256 Euro aus, künftig würden 330 Euro fällig. Bei einer Teleskop- oder Konuskrone drohe der Preis von bisher 276 sogar auf 513 Euro zu steigen. Es läge dann am Patienten, die zusätzlichen 237 Euro zu zahlen.

SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles warf FDP-Gesundheitsminister Daniel Bahr "Klientelpolitik" zugunsten der Zahnärzte vor. Für die Zahnärzte gehen die Regierungspläne hingegen nicht weit genug. Nach Ansicht von Bundeszahnärztekammer und Kassenzahnärztlicher Bundesvereinigung würde auch ein Honoraranstieg um sechs Prozent keine angemessene Bezahlung der Zahnärzte ermöglichen.

Die neue Gebührenordnung soll Anfang nächsten Jahres in Kraft treten, muss aber vorher noch von Regierung und Bundesrat beschlossen werden. Die Regeln für Deutschlands etwa 66.000 Zahnärzte sollen erneuert werden, weil sie an vielen Stellen nach 23 Jahren nicht mehr dem aktuellen Stand entsprechen. Geregelt wird in der Verordnung die Bezahlung der Zahnärzte durch Privatpatienten und durch Kassenpatienten bei jenen Behandlungen, die über Standardleistungen hinausgehen.

Nach Angaben der Krankenkasse AOK werden etwa 60 Prozent des Zahnersatzes für gesetzlich Versicherte nach der privaten Gebührenordnung abgerechnet. Schon ein Aufschlag von sechs Prozent belaste die gesetzlich Versicherten jährlich zusätzlich mit 280 Millionen Euro. Die gesetzlichen Kassen gaben für zahnärztliche Behandlung 2009 noch insgesamt rund 11,6 Milliarden Euro aus, 2010 waren es bereits ohne Gebührenreform 11,9 Milliarden.