Geschätzte sechs bis 20 Millionen Tonnen Lebensmittel landen jährlich in Deutschland in der Tonne, obwohl sie noch genießbar gewesen wären. Die Politik sucht nun nach Ursachen für diese Verschwendung. Während der Verbraucherausschuss wie auch das zuständige Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) erst das Ergebnis der "nationalen Wegwerfstudie" abwarten wollen, haben einige Politiker einen ersten Verdächtigen in der Schuldfrage bereits ausgemacht – das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD), mit dem viele Lebensmittel gekennzeichnet sind.

Während das BMELV zwar Aufklärungsbedarf sieht , eine Änderung oder Abschaffung des Begriffs aber ablehnt, will der Vorsitzende des Verbraucherausschusses, Hans-Michael Goldmann (FDP), die Begrifflichkeiten vor dem aufgedruckten Datum verbessern. Er fordert Formulierungen wie "voller Genuss bis" und "essbar bis zum Tag Y". Ähnliches steht etwa auf Verpackungen in Großbritannien. Dort sind Lebensmittel mit "best before" oder "use by" gekennzeichnet. Allerdings landen noch jährlich 8,3 Millionen Tonnen Lebensmittel im britischen Abfall –  5,3 Millionen Tonnen davon grundlos, lautet das Ergebnis einer Studie der Initiative "Working together for a world without waste" (WRAP) aus dem Jahr 2009 .

Außerdem stellte die Food Standards Agency aus Großbritannien fest , dass die britische Bevölkerung ein Verständnisproblem mit ihren Begriffen zu haben scheint: Nur 40 Prozent der Befragten einer Umfrage im Jahr 2002 konnten das "use by" und 36 Prozent das "best before" richtig deuten.

Die Wertschätzung von Lebensmitteln scheint gering

Folglich scheinen die Formulierungen auf der Verpackung nicht ausschlaggebend für das Wegwerfverhalten zu sein. "Die Verbraucher orientieren sich am Datum, nicht am Begriff davor", sagt der Sprecher des BMELV, Holger Eichele.

Armin Valet von der Verbraucherzentrale Hamburg sieht das Datum hingegen nicht in der Schuld: "Es werden auch ganz viele Lebensmittel weggeworfen, die gar kein Mindesthaltbarkeitsdatum haben: Obst oder Gemüse zum Beispiel." Gleiches gelte für Lebensmittel, die das MHD noch lange nicht erreicht haben, sagt Felicitas Schneider vom Institut für Abfallwirtschaft der Universität für Bodenkultur in Wien . "Wir glauben nicht, dass sich daran etwas ändern wird, wenn man das MHD aufhebt. Es geht vielmehr um den generellen Zugang zu Lebensmitteln und die entsprechende Wertschätzung von Nahrung."

So sieht es auch das Bundesministerium: Man habe schon diverse Vermarktungsnormen außer Kraft gesetzt, die etwa festgelegt hatten, das Gurken nicht krumm sein dürfen. "Letztlich ist aber die Verbraucher-Erwartung entscheidend", sagt Eichele, "Da kann sich jeder selbst überprüfen: Kaufen Sie den Apfel mit der Druckstelle , oder lassen Sie ihn liegen?"