Auch heute tötet Yersinia pestis noch. Etwa 2.000 Menschen sterben jedes Jahr an der Pest. Und: Seit dem schwarzen Tod haben sich die gefährlichen Eigenschaften des Erregers kaum verändert. "Wir haben herausgefunden, dass es in den 660 Jahren Evolution als menschlicher Erreger relativ wenige Veränderungen im Erbgut des uralten Bakteriums gab", sagt Hendrik Poinar von der McMaster-Universität in Kanada, der an der Studie beteiligt war.

Warum verliefen dann spätere Pestepidemien, auch vor der Einführung von Antibiotika zu einer effektiven Behandlung, deutlich glimpflicher als im 14. Jahrhundert? Johannes Krause denkt da zum Beispiel an den Begriff "Selektion" aus der Evolutionstheorie: Vermutlich überlebten im 14. Jahrhundert vor allem die Menschen, deren Organismus mit dem Pesterreger am besten fertig wurde. Deren Nachfahren sind heute noch weniger empfindlich gegen eine solche Epidemie.

Überträger des Pestbakteriums ist ein Floh, der normalerweise auf Ratten lebt. Sterben die Nagetiere an der Pestinfektion, sucht sich der Floh einen neuen Wirt. Da in Städten und auf Schiffen seit alters her Ratten und Menschen eng aufeinander sitzen, sind eben häufig Menschen das nächste Opfer. Schiffe trugen so die Pest von der Halbinsel Krim, auf der bereits 1345 erste Opfer starben, in die Mittelmeerhäfen. Von dort breitete sich die Epidemie dann rasch über Europa aus. Besonders betroffen aber waren fast immer die Hafenstädte und die Ballungsgebiete.

Stirbt ein Pest-Infizierter, kühlt sein Leichnam rasch aus. Die Flöhe verlassen dann sehr schnell ihren toten Wirt und suchen sich ein neues Opfer. Ärzte infizierten sich daher viel häufiger als Totengräber, die erst viel später mit den ausgekühlten Pestopfern in Berührung kamen. "Aus dieser Beobachtung könnte die Quarantäne entstanden sein", sagt Krause. Dieses Isolieren der Kranken bis einige Tage nach ihrer Gesundung oder ihrem Tod bremste die Ausbreitung der Pestepidemien deutlich aus.