Der Kardiologe aus Chicago hofft, dass mehr Menschen ihre Lebensweise verändern, wenn Ärzte ihnen ihr Langzeitrisiko nennen. Einfach, weil es höher ist als das für die nächsten zehn Jahre und dadurch mehr beeindruckt. Manfred Zehender von der Uniklinik Freiburg ist eher skeptisch, was die Angabe eines Risikos auf Lebenszeit angeht. "Viele Faktoren, die das individuelle Risiko bestimmen, sind erst messbar, sobald sie sich manifestieren." Schätzt man solch eine Wahrscheinlichkeit ab, wenn der Patient 55 Jahre alt ist, könne man noch gar nicht wissen, ob er fünf Jahre später vielleicht Diabetes entwickelt und damit sein Risiko sprunghaft steigt. Auch, wie gut man im Alter Fette verstoffwechselt, zeige sich erst später. Deshalb sei die Abschätzung auf die nächsten zehn Jahre auch weiterhin sinnvoller, meint der Herzspezialist.

Auch wenn man natürlich keinem 40-Jährigen versprechen könne, dass er nie einen Herzinfarkt bekommen wird, weil er gerade optimale Eigenschaften hat, böten die Ergebnisse Lloyds neue Impulse für die Kardiologie, sagt Tienush Rassaf, Oberarzt an der Düsseldorfer Uniklinik . Denn die Studie zeige, wie massiv der Einfluss der Risikofaktoren sei. "Das bedeutet für uns Ärzte, dass wir noch früher Risikofaktoren identifizieren müssen und wenn möglich behandeln." Oder Risikoträger dabei unterstützen, ihre Lebensweise umzustellen: mehr Bewegung, eine fettarme Ernährung, mit dem Rauchen aufhören.

Lebensumstellung erst nach dem Infarkt

"Nach einem überlebten Herzinfarkt sind die Patienten da meist einsichtig", sagt Florian Krackhardt von der Berliner Charité. Dann versuchten sie, mit dem Rauchen aufzuhören oder ihre Ernährung umzustellen. "Aber ob sie das davor gemacht hätten, weil ihnen ein Arzt ihr Risiko gesagt hätte?" Die optimale Methode, Menschen zur Prävention zu bewegen, sucht Lloyd noch. "Natürlich können wir niemanden zwingen, zum Beispiel mit dem Rauchen aufzuhören." Aber Daten sammeln kann er, um immer bessere Argumente zu haben.