Frauen besitzen offenbar Stammzellen für Eizellen. Dieses Ergebnis einer Forschungsgruppe um den amerikanischen Reproduktionsmediziner Jonathan Tilly stößt ein medizinisches Dogma um. Bisher galt: Frauen kommen mit einer festgelegten Zahl von Eizellen zur Welt. Diese nimmt mit dem Alter ab und sie können nicht neu gebildet werden. Das Team isolierte aber aus Eierstöcken von Frauen im gebärfähigen Alter Stammzellen, aus denen neue Eizellen hervorgingen. Publiziert wurden die Resultate im Magazin Nature Medicine .

Bereits vor acht Jahren hatte Jonathan Tilly von der renommierten Havard Medical School bei Boston, die gewagte These aufgestellt, dass Frauen neue Eizellen bilden können. Doch die indirekten Forschungsergebnisse aus Tierversuchen, die Tilly dazu präsentierte, wurden von Fachkollegen stark angezweifelt.

Die Forscher wollen Eizellen nachzüchten

Jetzt konnte der Forscher seine These durch Experimente, die er mit einem Team am Massachusetts General Hospital durchführte, untermauern: Die Wissenschaftler isolierten eierproduzierende Stammzellen und setzten diese in unreife Eizellen ein. Die Stammzellen wurden anschließend mit einem fluoreszierenden grünen Protein gekennzeichnet und in menschliches Eierstockgewebe eingepflanzt. Daraufhin entstanden neue Eizellen, von denen einige grün leuchteten, was darauf hindeutete, dass ihr Ursprung in den den Stammzellen zu finden ist. Andere wiederum leuchteten nicht, was vermuten ließ, dass sie bereits zuvor im Gewebe vorhanden waren.

Zwar bedeutet dies nicht, dass auch noch ältere Frauen auf natürlichem Wege schwanger werden können, als Mediziner bisher annahmen. Doch für die künstliche Befruchtung könnten die Stammzellen nützlich sein, da sie leichter eingelagert werden können als bereits ausgereifte menschliche Eier.

Um die Überlebensfähigkeit der Eizellen zu testen, müssen weitere Untersuchungen vorgenommen werden. Die Forscher um Tilly, der als Mitbegründer des Unternehmens OvaScience seine Entdeckung vermarkten will, hoffen darauf, dass jede Frau dank dieser Stammzellen eines Tages unbegrenzt viele Eizellen "nachzüchten" lassen kann. Wenn sie ein Baby bekommen möchte, könnte sie sich diese dann künstlich befruchten und einsetzen lassen.

"Die Entdeckung von Eizell-Vorläuferzellen in menschlichen Eierstöcken, (...), öffnet die Tür für neue Techniken zur Fruchtbarkeitsbehandlung von Frauen," schreiben die Wissenschaftler. Auf das eigene finanzielle Interesse durch die Forschung weisen sie in ihrer Veröffentlichung hin.