Jetzt ist es raus, das Supervirus. Ein Killer, übertragbar wie ein simpler Schnupfen, aber tödlich wie die Pest. Zum Glück ist der Erreger, über den seit Monaten gestritten wird, weder aus einem Hochsicherheitslabor entwichen, noch von Terroristen als Biowaffe verwendet worden. Bisher hat das Grippevirus mit Pandemie-Potenzial – genauer gesagt das Wissen, wie es entstehen könnte – lediglich das engmaschige Netz der Wissenschaftsbürokratie überwunden.

Das Magazin Science hat nun nämlich die Arbeit von Ron Fouchier und seinen Kollegen von der Rotterdamer Erasmus-Universität veröffentlicht. Was drinsteht, war lange bekannt. Die ergänzenden Ergebnisse von Yoshihiro Kawaoka , der an den Unis von Wisconsin-Madison und Tokio forscht, erschienen bereits im März in Nature

Es ist gut, dass am Ende der Debatte um Biosicherheit, Terrorgefahr und Zensur die Forschungsfreiheit – zumindest fast – gesiegt hat. Die jetzt veröffentlichte Version hatten die Wissenschaftler überarbeitet, damit Terroristen auch ja keine Anleitung zum Nachbau eines Killervirus vorfinden. Behörden und Wissenschaftsverlage wollen die Richtlinien für den Umgang mit solchen "Dual Use" -Fällen nach dem Supervirus-Chaos nun verbessern. Vielleicht wird es Forschern künftig möglich sein, potenziell gefährliches Wissen auf festgeschriebenen Wegen nur Kollegen zugänglich zu machen, die es für die Forschung benötigen. Hoffentlich wird das auch dazu beitragen, dass Grippeforscher wieder ungehindert arbeiten können.

Denn eines ging in der Debatte unter: Wenn es um Grippeerreger geht, ist die eigentliche Gefahr nicht der Missbrauch durch den Menschen, sondern die Macht der Natur. Fouchiers Frettchenversuch hat gezeigt: Nur fünf natürliche Genmutationen reichen aus, damit aus dem untersuchten A/H5N1-Vogelgrippe-Stamm ein fliegender Killer wurde.

Was das im Klartext bedeutet, steht in einem fast versteckten Artikel, der zusammen mit der Studie in Science erschienen ist. Darin schreiben der Cambridge-Zoologe Colin Russell , Ron Fouchier, Yoshihiro Kawaoka und andere: Die fehlenden Mutationen könnten in einem einzigen Säugetier-Wirt entstehen.

Sollte sich nur ein einzelner Mensch – sei es in  China , Vietnam , Ägypten oder der Türkei – die Vogelgrippe einfangen, während er andere Grippeviren im Körper trägt, könnte das für die Geburt eines Superkeims reichen. Diese Person könnte die Quelle für eine Pandemie mit Millionen Toten werden – vergleichbar mit der Spanischen Grippe um 1918.