Am Anfang fühlt es sich an, wie eine Grippe: Der Kopf schmerzt, der Nacken fühlt sich steif an, und nach wenigen Stunden kommt Fieber hinzu. Gerade diese scheinbar harmlosen Beschwerden machen die Meningitis so tückisch. Denn wird sie zu spät erkannt, kann sie tödlich enden. Eine besonders gefährliche Form der Hirnhautentzündung breitet sich derzeit in den USA aus . Über ein mit Pilzsporen verunreinigtes Arzneimittel haben sich dort 138 Menschen mit der Krankheit angesteckt. Zwölf sind mittlerweile daran gestorben.

Den Betroffenen war ein Medikament mit dem entzündungshemmenden Wirkstoff Methylprednisolon gespritzt worden, der ihre chronischen Rückenleiden lindern sollte. Laut der US-Gesundheitsbehörde CDC ist bislang unklar, wie die krankheitserregenden Pilzsporen in das Schmerzmittel gelangt sind. Fest steht, dass eine Charge des Herstellers New England Compounding Center (NECC) die Sporen enthielt. Da NECC 76 Kliniken in 23 Bundesstaaten der USA mit dem Medikament beliefert hat, befürchten Behörden im Moment, dass sich mehrere Zehntausend Menschen infiziert haben. Der Hersteller hat die möglicherweise betroffenen Produkte inzwischen zurückgerufen.

Normalerweise machen die Pilze nicht krank

Die Sporen stammten vom Schimmelpilz Aspergillus fumigatus , der zum Beispiel in Kompost, Blumenerde, Hausstaub, Tapeten und auf manchen Pflanzenblättern zu finden ist. Kleine Mengen davon atmen viele von uns täglich ein – ohne davon todkrank zu werden. "Wenn das Abwehrsystem intakt ist, tötet der Körper die Erreger ab und nimmt keinen Schaden, deshalb ist die Aspergillose bei gesunden Menschen extrem ungewöhnlich", sagt Hans-Walter Pfister von der Neurologischen Klinik des Universitätsklinikums München .

Ins Gehirn gelangen die Sporen normalerweise nur bei immungeschwächten Menschen. "Meistens tritt sie nach Knochenmarktransplantationen oder bei HIV-infizierten Menschen auf", sagt Pfister. Ihr Abwehrsystem ist zu schwach, um die Erreger abzutöten. Die Sporen keimen aus und verbreiten sich über die Blutbahn im gesamten Körper.

Die betroffenen US-Amerikaner hatten allerdings keine Immunschwäche. Für sie wurde der Pilz zur Gefahr, weil er ihnen in die Flüssigkeit injiziert wurde, die das Rückenmark umgibt. So konnten die Pilzsporen ohne den Umweg über die Lunge direkt in die Gefäße der Hirnhaut gelangen. Kommt diese mit Fremdkörpern in Berührung, reagiert sie mit einer Entzündung: Im Gehirn sammelt sich Flüssigkeit, die Gefäße schwellen an und der Druck kann wegen der Schädelknochen nicht nach außen entweichen. "Stattdessen drückt das Wasser das Gehirn zusammen, was bei den Patienten Schwindelgefühle, Bewusstseinsstörungen, epileptische Anfälle und manchmal Schlaganfälle auslöst", sagt Pfister.

Eine Therapie kommt meist zu spät

Diese Symptome sind typisch für alle Formen der Hirnhautentzündung. Die häufigsten Verursacher sind in Deutschland aber nicht Pilze, sondern Viren und Bakterien. Die virale Meningitis tritt oft im Zusammenhang mit anderen Viruserkrankungen wie etwa Mumps, Masern oder Windpocken auf. Auch Zecken können Viren übertragen. Diese können die sogenannte Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) auslösen, bei der sich nicht nur die Hirnhaut, sondern auch die Hirnsubstanz entzündet. Virale Meningiden klingen meist auch ohne eine Therapie nach etwa zehn bis 14 Tagen ab. Hirnhautentzündungen, die von Bakterien wie Meningokokken hervorgerufen werden, sind deutlich gefährlicher: In einigen Fällen leiden die Erkrankten noch Jahre später unter Durchblutungsstörungen oder Lähmungen, für manche endet die Krankheit tödlich. 

Bei der Form der Meningitis, die von Aspergillus-Sporen verursacht wird, ist die Prognose noch schlechter. In Deutschland sterben mehr als die Hälfte der Infizierten an den Folgen der Pilzinfektion. Arzneimittel zur Bekämpfung der Pilzinfektion gibt es zwar. "Aber die Sporen verbreiten sich sehr schnell und haben meist schon das zentrale Nervensystem erreicht, bevor die Pilzmittel anschlagen können", sagt Pfister.

Wie die Chancen der infizierten Amerikaner stehen, ist laut Pfister schwer abzuschätzen. Die Überlebensrate der deutschen Aspergillose-Patienten sei auch deshalb so schlecht, weil die meisten von ihnen ohnehin unter einer Immunschwäche leiden. Da die aktuell erkrankten Amerikaner zuvor gesund waren, wäre denkbar, dass die Krankheit bei ihnen im Durchschnitt nicht so schwer verläuft.