Der deutsche Ernährungsforscher Hans-Georg Joost kritisiert den Fettindikator seit Längerem. "Muskelgewebe ist dichter als Fett. Das heißt, ein Leistungssportler kann relativ viel wiegen, ohne dass sein Körperfettanteil bedenklich wäre", sagt Joost. Noch problematischer sei, dass der BMI die Fettverteilung nicht berücksichtige: "Für die eigene Gesundheit ist aus medizinischer Sicht ein Kugelbauch wesentlich gefährlicher als ein korpulentes Gesäß." Deshalb plädiert der Ernährungsforscher dafür, bei der Risikovorhersage auch auf den Bauchumfang zu achten.

Neben Medizinern diskutieren auch Mathematiker den BMI kontrovers. So findet sich auf der Seite der Mathematical Association of America der unterhaltsame Beitrag Glaubst du an Feen, Einhörner und den BMI?. Keith Devlin beschreibt darin, dass laut BMI sogar George Clooney, Johnny Depp und Brad Pitt wohl als übergewichtig gelten würden. Ebenso machte sich der britische Mathematiker Niall MacKay bereits vor ein paar Jahren für eine Anpassung des BMI stark.

Im Laufe der Debatte erhielt Nick Trefethen E-Mails aus der ganzen Welt. In einer davon erfuhr er: Schon der Urvater des BMI, Adolphe Quetelet aus Belgien, hatte die Idee einer genaueren Formel. In seinem Aufsatz Über den Menschen und die Entwicklung seiner Fähigkeiten aus dem Jahr 1835 schlägt Quetelet genau den Exponenten vor, den der Oxford-Mathematiker jetzt eingebaut hat: eine 2,5. Doch mit dieser Zahl konnte sich der Pionier damals nicht durchsetzen.