Außerdem empfiehlt Bates das Augensonnen, einen kurzen Blick mit geschlossenen Augen in die Sonne. Die Idee ist, mit der Wärme Krankheiten zu lindern. Allerdings dürfe man die Übung auf keinen Fall in der prallen Mittagssonne machen, warnt der Trainer. Mir kommt die Übung suspekt vor. Kann das schaden? Später frage ich den Schulmediziner. Der gibt Entwarnung: "Höchstens wenn die Augen zu heiß werden. Aber das wird wohl kein Mensch machen."

Auch lernen wir im Seminar Augen-Yoga. Dabei werden die Augen erst langsam nach links und rechts bewegt, nach oben und unten sowie diagonal nach rechts oben und links unten sowie umgekehrt. Man kann die Übung mit offenen Augen machen und beispielsweise den Finger zu Hilfe nehmen – oder mit geschlossenen Augen. Die Übung soll die Muskulatur stärken und das Gesichtsfeld erweitern. Ein Teilnehmer meint tatsächlich, an den Seiten schon mehr sehen zu können. Ich merke keinen Unterschied. Das sei auch nach so kurzer Zeit gar nicht zu erwarten, sagt der Gesundheitstrainer. Ein Effekt sei erst nach monatelangem Training spürbar. Augenarzt Friedburg bezweifelt das. "Das Gesichtsfeld wird durch die Netzhaut, die Retina, begrenzt. Die Muskeln spielen dabei keine Rolle."  

Übungen, die zumindest nicht schaden

Soforthilfe bei verspannten Augen verspricht uns Grimm mit Akupressur. Wir sollen mit Daumen und Zeigefinger die Punkte seitlich vom Nasenflügel drücken, da wo sonst die Brille sitzt. Das entspannt. Auch das Pressen und Reiben unterhalb der Augen, wo die Wangenknochen beginnen, macht müde Augen wieder munter. Stimmt, stelle ich fest.

Mit entspannten Augen zeigt uns Grimm dann endlich Übungen gegen Fehlsichtigkeit, etwa mit gezielter Akkommodation. Die natürliche Anpassungsfähigkeit der Brechkraft des Auges lasse sich mitsamt Retina- und Linsenmuskeln auch trainieren, erklärt der Trainer. Zunächst sollen wir unseren Zeigefinger etwa 20 Zentimeter vor die Nase halten und abwechselnd vom Finger in den Hintergrund schauen. Die Augen wechseln so zwischen Nah- und Fernsicht ab. Die Kurzsichtigen fangen vorne beim Finger an, die Weitsichtigen in der Ferne. Wenn wir diese Übung täglich über mehrere Monate machen, werden wir bald besser gucken können, verspricht der Trainer.

"Ab Ende 60 ist es vorbei mit der Akkommodation", sagt der Augenmediziner Friedburg dazu. Nicht ganz ausschließen will er aber, dass sich mit gezielten Training die Fähigkeit noch leicht aufrechterhalten lässt. Eine Altersfehlsichtigkeit halte dies eher nicht auf. 

Stündlich das Tibetische Rad abfahren

Auch Hornhautverkrümmungen sollen sich wegtrainieren lassen. Dafür gibt uns der Trainer ein Blatt Papier mit einem Muster darauf, das sich "Tibetisches Rad" nennt. Man hält es etwa zwei bis drei Zentimeter vor die Nase und fährt mit den Augen das Muster ab. Es ist furchtbar anstrengend, und man muss die Augen ordentlich verdrehen. Angeblich lässt sich damit schon nach ein bis vier Wochen die Hornhautverkrümmung reduzieren – vorausgesetzt man wiederhole diese Übung jeden Tag mindestens stündlich, sagt Grimm.

Hanebüchen lautet das Urteil des Schulmediziners. Das funktioniere nicht. Ist das alternative Sehtraining also völliger Blödsinn?  "Aus wissenschaftlich-medizinischer Sicht kann man daran wenig Wirksames erkennen. Aber schädlich ist es auch nicht", sagt Augenarzt Friedburg.

Informationen über den Aufbau des Auges, zumindest interessante Ernährungstipps ("viele blaue Beeren essen") und jede Menge Spiele mit optischen Täuschungen runden das Seminar ab. Meine Brille bin ich in den zwei Tagen nicht losgeworden. Dafür kenne ich jetzt sofort wirkende Augenübungen zur Entspannung bei der Bildschirmarbeit. Ist ja auch was.