Mitte dieses Jahrhunderts werden auf der Welt rund 115 Millionen Menschen mit Alzheimer oder einer anderen Form der Demenz leben. Das sind mehr Erkrankte als Menschen heute in Mexiko leben, einem der 15 bevölkerungsreichsten Länder der Erde. Dies schätzen die Autoren des Weltalzheimerberichts . Derzeit gebe es weltweit rund 35 Millionen Erkrankte. Mit der weiter steigenden Zahl älterer und pflegebedürftiger Menschen werde Demenz zu einer der größten Herausforderungen für die Gesundheitssysteme. Gerüstet sehen die Autoren die Länder dafür noch nicht.

In Deutschland leben zurzeit rund 1,4 Millionen Menschen mit einer Demenz. Für das Jahr 2050 geht die Deutsche Alzheimergesellschaft von drei Millionen Betroffenen aus, von denen rund jeder Dritte älter als 90 Jahre alt sein wird. Bereits heute gehört es in Umfragen zu den größten Ängsten der Deutschen, später einmal als Pflegefall zu enden. Viele denken dabei auch an eine Demenz.

Diese Ängste sind nicht unbegründet. In 40 Jahren rechnen Wissenschaftler mit 277 Millionen hilfsbedürftigen älteren Menschen, die lange Jahre auf Unterstützung angewiesen sein werden. Heute sind es 101 Millionen. Es sei anzunehmen, dass auch künftig rund die Hälfte der Pflegebedürftigen mit steigendem Alter eine Demenz entwickele. Dies betreffe vor allem etwa 80 Prozent der Bewohner von Alten- und Pflegeheimen, heißt es im Report. In Deutschland leiden etwa 60 Prozent der Menschen in Altenpflegeheimen an einer Demenz.

Bereits heute belaufen sich die weltweiten Pflege- und Behandlungskosten für Demenzkranke laut Bericht auf rund 600 Milliarden US-Dollar (umgerechnet rund 448 Milliarden Euro). Das entspreche rund einem Prozent des globalen Bruttoinlandsprodukts. Auf die rasant wachsende Zahl von Erkrankten sei derzeit kein Land so recht vorbereitet.

"Verglichen mit anderen Langzeit-Pflegebedürftigen brauchen Menschen mit Demenz deutlich mehr Betreuung und Zuwendung", sagt Martin Prince. Der Psychiater und Mitautor des Berichts forscht an der Londoner Universität King's College. Angehörige müssten deshalb noch besser unterstützt und professionelle Pflegekräfte deutlich besser bezahlt werden. Familien oder Freunden dürfte es künftig stetig schwerer fallen Demenzkranke zu pflegen. "Schon heute erreichen uns zwei Drittel der Anrufe von Familien in einer Krise", sagt Roger Baumgart, Geschäftsführer eines Pflegeanbieters in Großbritannien.

Für Deutschland sieht Hans-Jürgen Freter, Sprecher der Alzheimer Gesellschaft, ähnliche Trends. "Noch werden zwei Drittel der Demenzkranken zu Hause betreut. Das wird so nicht weitergehen", sagt er. "Künftig gibt es allein schon weniger Kinder, die sich kümmern können. Und es gibt mehr ältere Singles." Deswegen würden deutlich mehr ambulante Dienste und auch mehr Heime oder andere Betreuungsformen wie Wohngemeinschaften benötigt. Vor allem aber müssten sich die Kommunen besser darauf einstellen, angemessen mit Demenzkranken umzugehen. Auch die Bürger müssten einen Blick dafür bekommen, warum jemand vielleicht hilflos herumirre.

Denn Hoffnung auf schnelle Fortschritte in der Medizin gibt es wenig. "Bislang gibt es kein Medikament, das die Alzheimer-Krankheit heilen kann", sagt Isabella Heuser, Psychiaterin an der Berliner Charité und im Vorstand der Hirnliga. Die Euphorie, eine baldige Lösung zu finden, sei verflogen. Eine frühzeitige Diagnose sei deshalb umso wichtiger. Denn heutige Medikamente könnten die Krankheit immerhin verlangsamen.