Die Rechtsanwälte haitianischer Cholera-Opfer wollen die Vereinten Nationen verklagen. Ihr Vorwurf: UN-Friedenstruppen sollen die Krankheit nach dem verheerenden Erdbeben vom Januar 2010 ins Land eingeschleppt haben. Über verschmutztes Abwasser aus den Soldatenbaracken sollen die Erreger damals in die Umwelt gelangt sein. In der Folge erkrankten Hunderttausende. Über die geplante Klage berichtet nun die New York Times.

Der Zeitung zufolge planen die Anwälte, den Fall am Mittwochmorgen (Ortszeit) vor das Federal District Court in Manhattan zu bringen. Mit dem Schritt wollten sie die Vereinten Nationen dazu bringen, zumindest einen Teil der Verantwortung für den Choleraausbruch in der Krisenregion zu übernehmen.

Cholera ist eine hochansteckende Krankheit, die sich über Fäkalien verbreitet. In Haiti, dem ärmsten Land der westlichen Hemisphäre, galt sie als praktisch ausgerottet. In den 100 Jahren vor dem Beben traten in dem Land keine Cholerafälle auf. Doch zehn Monate nach dem Erdbeben erkrankten die ersten Menschen. Die Seuche verbreitete sich rasch. Insgesamt erkrankten bis heute 650.000 Menschen daran. Mehr als 8.300 Haitianer sind an den Folgen der Cholera gestorben. Noch immer infizieren sich rund 1.000 Menschen pro Jahr mit den gefährlichen Keimen.

Die möglichen Ursachen dafür hatten Autoren in einem unabhängigen Bericht im Auftrag der Vereinten Nationen untersucht. Das Papier legte nahe, dass der Erreger des Typs Vibrio cholerae tatsächlich von Soldaten eines UN-Camps eingeschleppt wurde. Die Vereinten Nationen aber haben bislang nicht zugegeben, für den Ausbruch der Krankheit verantwortlich zu sein. Außerdem beanspruchen sie der New York Times zufolge diplomatische Immunität, die sie vor Haftungsansprüchen schützen würde. 

Zahlreiche Haitianer sind über diese Haltung verärgert. Auch politische Vertreter des Landes haben ihren Unmut öffentlich geäußert. 

Gericht soll UN für haftbar erklären

Jetzt soll das Gerichtsverfahren in New York helfen. "Wir wollen den Richter bitten, die Vereinten Nationen als haftbar anzuerkennen", sagte Beatrice Lindstrom der New York Times in einem Telefoninterview. Lindstrom ist Sprecherin des Institutes for Justice and Democracy in Haiti, das die Klage vorbereitet hat. Die UN hätten "aufgrund ihres grob fahrlässigen Verhaltens, das die Cholera nach Haiti brachte, ihre Rechtspflicht verletzt", erklärte sie.

Die Anklage enthält keine genauen Angaben über die Höhe der geforderten Entschädigung. Es gelte, diese in der Verhandlung festzulegen, sagte Lindstrom. Allerdings ist unklar, ob das Gericht die Klage überhaupt annehmen wird.

Haiti ist noch immer auf die Unterstützung der Vereinten Nationen angewiesen. In seiner Rede auf der diesjährigen UN-Generalversammlung sprach Haitis Premierminister Laurent Lamothe von der "moralischen Verantwortung" der Organisation. Die Bemühungen, die Cholera einzudämmen, seien alles andere als ausreichend. Die Vereinten Nationen ihrerseits erklären, alles in ihrer Macht stehende zu tun, um die Krankheit zu bekämpfen.