Christiansen sieht in der Medikamententherapie für sich mehr Vor- als Nachteile – trotz dauerhafter Nebenwirkungen. Er beschreibt sich unter Einfluss der Pillen als weniger gesprächig, kaum zu Witzen oder Ironie bereit. "Diskussionen verkommen eher zu einem "Ja-nein-Gespräch", die Kreativität ist deutlich eingeschränkt," sagt er. Zudem ist die Wirkung auf wenige Stunden begrenzt. Methylphenidat verändert auch das Hungergefühl – und das kann auf die Figur schlagen. Bis zu zwei Stunden nach der Einnahme haben die Patienten kaum Appetit, am Abend können Heißhungerattacken folgen. Ritalin-Kapseln, die den Wirkstoff stufenweise abgeben, mildern diesen Effekt etwas ab.

Neben den Tabletten ist auch die Unterstützung durch Freunde und Angehörige wichtig. "Mir hilft es, wenn mich morgens jemand – oft auch gegen meinen Widerstand – aus dem Bett wirft", sagt Christiansen. Mit Mitleid kann er wenig anfangen. Er möchte auch nicht, dass andere seine Erkrankung als Entschuldigung für sein Verhalten ansehen. "Ich möchte neutrale Verhältnisse. Ich bin ich, egal welcher Aspekt davon zur ADHS gehört und welcher nicht."

Bisher ist unklar, ob sich ADHS langfristig heilen lässt. Verschiedene Studien zeigen, dass viele Betroffene sich im Laufe des Lebens zunehmend mit ihrer Andersartigkeit arrangieren können, insbesondere dann, wenn sie unter fachärztlicher Betreuung stehen.

Ein Leben unter erschwerten Bedingungen – darauf hat sich Chistiansen eingestellt: "Lange habe ich gedacht, dass nach einer gewissen Zeit alles besser wird, ich geheilt bin", sagt er. Doch davon habe er sich verabschiedet. Das, was ihm wichtig sei, erreiche er auch so. "Wenigstens bin ich nicht der Einheitsbrei, sondern etwas individueller. Ich hoffe nur, dass ich nicht an meinen selbst gesteckten Zielen scheitere."

*Name von der Redaktion geändert