Es ist kein Polio, doch die Symptome sind ähnlich: Im US-Staat Kalifornien sind Ärzte ratlos angesichts einer Serie von Krankheitsfällen, die sich in den vergangenen anderthalb Jahren ereignet hat. Mehrere Kinder haben bleibende Lähmungen in Armen und Beinen. Jedoch sei der für die Kinderlähmung verantwortliche Polio-Erreger in keinem der Fälle nachzuweisen gewesen, berichtet die Zeitung The Los Angeles Times.

Die kalifornische Gesundheitsbehörde wurde bereits 2012 auf die Krankheit aufmerksam, als ein Arzt einen Polio-Test für ein Kind anforderte, das unter schweren Lähmungserscheinungen litt. Polio gilt in den USA seit Langem ausgerottet, daher sei die Anfrage "beunruhigend" gewesen, erklärte die Ärztin Carol Glaser, die ein Forschungsteam der Gesundheitsbehörde leitet.

Der Test hat zwar gezeigt, dass es sich bei der Erkrankung nicht um Polio handelt. Im folgenden Jahr jedoch tauchten gleich mehrere ähnliche Fälle auf. Während Glaser nicht sagen kann, wie viele Kinder insgesamt betroffen sind, erklärt der Neurologe Keith Van Haren von der Universität Stanford, ihm seien in etwa 20 solcher Fälle in Kalifornien bekannt.

Fünf davon haben Van Haren und Kollegen in einer Studie untersucht. Die vollständigen Ergebnisse wird das Team auf der Jahrestagung der American Academy of Neurology am 26. April in Philadelphia vorstellen.

Seit sechs Monaten keine Besserung

Gemeinsam sei allen fünf Fällen, dass Arme oder Beine der Kinder trotz einer Polio-Impfung gelähmt sind, sagt Van Haren. Ganzkörperscans liefern laut dem Neurologen Hinweise auf Schäden nahe der Wirbelsäule. Der Zustand der Patienten hat sich laut Van Haren auch nach sechs Monaten nicht gebessert.

Die Ursache für das Leiden ist noch unklar. Bei zwei der jungen Patienten haben Van Haren und sein Team allerdings den Erregertyp Enterovirus-68 nachgewiesen. Der zählt zur gleichen Virenfamilie wie der Polio-Erreger und könnte die Krankheit somit ausgelöst haben. Für die anderen drei fiel der Test negativ aus.

Dennoch schließt Carol Glaser nicht aus, dass das Virus auch bei ihnen für die Erkrankung verantwortlich ist. "Die Proben für die Tests waren nicht optimal", sagte sie der Los Angeles Times. Glaser rief Ärzte auf, ähnliche Fälle zu melden, um die mögliche Ursache rasch aufzuspüren.