Der Biochemiker, dem seine Kritiker, Neider und Konkurrenten einst den Spitznamen Darth Venter verliehen, ist zurück. Mit 67 Jahren macht er sich auf zu einer neuen Reise ins menschliche Erbgut – gnadenlos unternehmerisch, wie schon 1998 als er mit seiner Firma Celera ein Rennen um die Entzifferung unserer DNA gegen das öffentlich geförderte Humangenomprojekt anzettelte. Und wie immer gnadenlos selbstbewusst.

Bereits vor zwei Wochen ließ er via Twitter wissen: "Ein neuer Anfang für die Medizin wird bald verkündet." Dieser Neubeginn ist nun da und heißt Human Longevity Inc. (HLI). Eine Firma, die antritt, unser aller Leben zu verlängern. Venter will nichts Geringeres, als den Tod auszutricksen. Sein Ziel ist es, Altersleiden wie Krebs, Herzkrankheiten und Demenz zu bekämpfen. Möglich machen soll dies Venters altes Steckenpferd: die Sequenzierung menschlichen Erbguts.   

Ähnlich wie vor mehr als 15 Jahren scheint Venter staatlich geförderten Initiativen ein solches Vorhaben nicht zuzutrauen. Seit Jahren arbeiten etwa Forscher am Cancer Genome Atlas. Mit der Karte der Krebs-DNA wollen sie die Krankheit besser verstehen und behandeln können. Ähnliche Forschergruppen widmen sich den genetischen Komponenten von Krankheiten wie Alzheimer oder Diabetes.

Vielleicht hat nun auch Venter erkannt, dass gigantische Datenbanken mit den Genomen Hunderttausender sich eines Tages finanziell lohnen könnten. Das Wissen um die Ursachen der Menschheitsplagen ist wertvoll. Ob er es indes eines Tages erlangt, ist unsicher.

Ein Erbgut für nur noch 1.000 Dollar

Zunächst soll die HLI mit Sitz im kalifornischen La Jolla das weltweit größte Zentrum zur Entzifferung menschlicher DNA werden. Für den Start hat Venter 70 Millionen Dollar eingeworben. "Unsere neue Firma wird im ersten Jahr 40.000 Genome sequenzieren", schreibt Mitgründer Peter Diamandis auf Twitter, "das wird sich auf 100.000 Genome pro Jahr steigern". Das Erbgut von Kindern, Erwachsenen, Kranken und selbst Hundertjährigen soll ausbuchstabiert und gespeichert werden. "Das Alter ist der Risikofaktor Nummer eins für fast jede Krankheit", sagte Venter der New York Times. "Doch selbst ist es keine Krankheit." Man muss es bloß verstehen.

Die Erbgutdaten, die der Biochemiker sammeln will, sollen nicht die einzige Ausgangsquelle für die Suche nach Erkrankungen bleiben. HLI will die DNA mit Daten zu Proteinen und Stoffwechsel verknüpfen sowie mit Informationen zu den Mikroben, die etwa im menschlichen Darm siedeln. Und noch mehr: Die Firma will Therapien auf Zellebene entwickeln und Erkenntnisse der Stammzellforschung nutzen. 

Das gigantische Vorhaben scheint nur deshalb möglich, weil die benötigte Technik rasant voranschreitet. Aufwand und Kosten, etwa um das komplette Erbgut eines Menschen Baustein für Baustein aneinanderzureihen, haben sich dramatisch verringert. "Es dauerte neun Monate, um mein Genom zu sequenzieren", sagte Venter während einer Pressekonferenz zur Gründung von HLI. In der gleichen Zeit könnten nun Zehntausende sequenziert werden. Fast 100 Millionen Dollar hätte dies noch 2001 gekostet – pro Genom. Mittlerweile rechnen Firmen wie der Marktführer für Sequenziermaschinen Illumina mit gut 1.000 Dollar pro Erbgut. Das sind umgerechnet rund 730 Euro.