Wer in den späten Achtzigern das Vergnügen hatte, in der Schule einer VHS-Videovorführung zur Suchtprävention beizuwohnen, lernte über die Wirkung von Drogen ungefähr dieses: Jede Drogenkarriere beginnt mit Haschisch, und zwar auf wilden Partys, wo unter dem Einfluss des Cannabis-Harzes dann alles extrem farbig, unscharf und irre verzerrt wird. Am Ende kommen der Notarzt und die Polizei.

Vielleicht hatten die Macher dieser Filme bloß zu viel Dumas oder Flaubert gelesen, in deren Erzählungen fantasievolle Schilderungen von Haschischorgien vorkommen. Oder aber sie waren der irrigen Annahme aufgesessen, alle Drogen wirkten mehr oder weniger stark wie die psychedelische Substanz Lysergsäurediethylamid, kurz LSD, die tatsächlich Halluzinationen erzeugt.

Heute wissen selbst Schüler, dass Cannabis kein kleines LSD ist, und Alkohol ganz andere Effekte hat als Nikotin. Trotzdem spielt eine differenzierte Darstellung des Rauschs noch immer keine Rolle in der Suchtprävention. Sie konzentriert sich auf die Folgen, vor allem auf das Abrutschen in kriminelle Milieus und soziale Isolation. Ein Versäumnis, denn die Effekte von Drogen sind untrennbar mit einer anderen wichtigen Frage verbunden: Warum nehmen Menschen überhaupt Drogen?


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"Es gibt im Wesentlichen zwei Gründe für den Konsum", erklärt der Psychopharmakologe David Nutt vom Imperial College in London. "Um Freude zu erfahren und um Leiden zu lindern." Und soviel ist allen Drogen gemein: Sie bewerkstelligen ihre Aufgabe, indem sie die biochemischen Gleichgewichte im Gehirn beeinflussen. Einige funktionieren sogar ähnlich wie moderne Psychopharmaka. Die Mechanismen allerdings sind verschieden, und so entstehen auch völlig unterschiedliche Effekte, aufgrund derer sich einige Gruppen von Drogen definieren lassen.

Die Effekte von Drogen sind vielseitig

Opioide wie Heroin oder das Hustenmittel Codein etwa wirken wie körpereigene Endorphine, die nach dem Sex oder bei Ausdauersportlern für beglückende Gefühle der Harmonie sorgen und das Schmerzempfinden dämpfen. Kokain, Amphetamin und der alltägliche Kaffee dagegen setzen stimulierende Botenstoffe im zentralen Nervensystem frei und unterdrücken das Bedürfnis nach Schlaf und Essen. Alkohol und bestimmte Beruhigungsmittel wiederum versetzen das Gehirn in einen Zustand wie kurz vor dem Zubettgehen: Sie entspannen die Muskeln, dämpfen Schmerzen und befreien die Gedanken, wobei Alkohol auch auf- und anregende Effekte haben kann. Ein ganz eigenes Wirksystem im Körper besitzt Cannabis: Es erzeugt eine spezifische Effektmischung aus Beruhigung, sozialer Öffnung und gelegentlich auch veränderter Wahrnehmung.

Viele dieser Effekte können abhängig von Dosis und Art des Konsums schädliche oder lebensgefährliche Ausmaße erreichen. Im Wesentlichen aber handelt es sich um verstärkte oder unterdrückte Emotionen und Empfindungen, die der Mensch aus seinem Alltag kennt.

Psychedelische Substanzen wie LSD, Mescalin oder Psilocybin aus Pilzen dagegen erweitern das Spektrum des Erlebens auf eine Weise, die Neurowissenschaftler bis heute nicht verstehen. Zwar konnten sie zeigen, dass LSD sich teilweise wie das Glückshormon Serotonin verhält, was die starken sozialen Effekte der Droge erklärt. Warum das Gesehene aber in ungeahnter Farbigkeit alle Gesetze der Räumlichkeit und Proportion verlässt und zuvor nicht erlebbares erlebt wird, ist nach wie vor unklar. Man würde meinen, diese Halluzination müssten etwas mit einer Hyperstimulation des Gehirns zu tun haben. Stattdessen haben Forscher gezeigt, dass die Hirnaktivität unter LSD sogar heruntergefahren wird.