Die Daten klingen dramatisch. Nicht nur ist seit 2008 die Zahl der Drogentoten in Deutschland wieder gestiegen. Gleichzeitig griffen Polizei und Drogenfahnder so viele Menschen wie noch nie mit gefährlichem Crystal Meth auf. Marlene Mortler (CSU), die Drogenbeauftragte der Bundesregierung warnt: "Ich möchte nicht, dass sich das Ganze zu einer Seuche entwickelt." Versinken die Deutschen also in einen Sumpf aus gefährlichen und verbotenen Drogen?

Die Antwort lautet Nein, zumindest lässt sich das nur sehr bedingt belegen. Jedenfalls nicht mithilfe der offiziellen Zahlen aus Kriminalstatistiken, die Jörg Ziercke als Präsident des Bundeskriminalamtes (BKA) am Vormittag zusammen mit der Drogenbeauftragten präsentierte. Jedes Jahr fasst das Bundeslagebild Rauschgift Daten der Strafverfolger zusammen, zum Handel und Konsum von illegalen Drogen wie etwa Cannabis, Ecstasy, Kokain, Heroin oder Amphetaminen. Ausschließlich wer in Deutschland mit eben solchen Substanzen erwischt wurde oder nachweislich an den Folgen starb, taucht in der Statistik auf.

Seit Jahren hat sich dieses Lagebild nur wenig verändert. Die Zahl der offiziellen Drogentoten schwankt leicht, nimmt aber ab. Seit 2003 gab es nie mehr als rund 1.500 Todesfälle pro Jahr (Bundeslagebild Rauschgift). Das sind weniger als 0,002 Prozent aller Menschen in Deutschland und unter 0,3 Prozent aller Sterbefälle im Land. Jeder, der an einer Überdosis oder an den Folgen seiner Sucht und seines Drogenkonsum stirbt, ist einer zu viel. Allerdings müssen die Verhältnisse deutlich werden. Und die werden jedes Jahr in Berichten über Drogentote dramatisch verzerrt.

Wer von Drogentoten spricht, sollte auch Raucher und Alkoholtrinker in seine Rechnung einbeziehen. Diese Substanzen sind zwar legal und praktisch unbegrenzt verfügbar. Ihre Schäden für die Gesundheit jedes Konsumenten sind aber zum Teil höher als die Folgen vieler verbotener Rauschgifte. So sterben jedes Jahr etwa 74.000 Menschen an den direkten und indirekten Folgen ihres Alkoholkonsums, 110.000 weitere töten die Leiden, die ihr Rauchverhalten auslöst (Drogen- und Suchtbericht, 2013). Zusammengenommen sterben also mehr als ein Viertel aller Menschen in Deutschland entweder direkt an ihrem Drogenkonsum oder aber an zahlreichen Krankheiten, die er fördert oder auslöst.

Alkohol und Nikotin werden kulturell weiter geduldet

Dies wird im Zusammenhang mit den Berichten über Drogentote nur selten erwähnt, schließlich haben sich Deutschlands Drogenpolitiker einst mit anderen Ländern darauf geeinigt, bestimmte Drogen nicht allein aufgrund ihrer Schädlichkeit zu verbieten. Würden etwa Alkohol und Tabak heute neu als Rauschmittel in der Gesellschaft auftauchen, fände sich kein Befürworter harter Drogengesetze, der sie nicht sofort verbieten lassen würde.

Zurück zu den Daten des BKA. Im Bundeslagebild Rauschgift findet Crystal Meth besondere Beachtung. "Den zunehmenden Konsum von Crystal sehen wir mit Sorge", lässt sich BKA-Präsident Ziercke in einer Pressemitteilung zitieren. Sieben Prozent mehr Konsumenten habe die Polizei erwischt. Zudem wurden 9,5 Prozent mehr Fälle gezählt, in denen sie die synthetische Droge sicherstellten. In absoluten Zahlen gab es lediglich 190 Personen mehr als im Vorjahr, die nachweislich Crystal nahmen und damit auffielen. Insgesamt waren es 2.746 Personen im Jahr 2013.

Die Polizei zählte außerdem 335 zusätzliche Fälle von Beschlagnahmungen (im Jahr 2013 waren es 3.847 im Vergleich zu 3.512 im Jahr 2012). An der Gesamtmenge des sichergestellten Stoffes änderte sich kaum etwas. Zwei Kilogramm Crystal Meth mehr als im Jahr 2012 fanden die Beamten – insgesamt 77 Kilogramm (Bundeslagebild Rauschgift, 2013).

Diese Daten sagen aber fast nichts darüber aus, wie gefährlich oder verbreitet verbotene Stoffe sind. Vieles spricht derzeit dafür, dass Crystal Meth insbesondere in Sachsen und im bayerisch-tschechischen Grenzgebiet ein Problem ist. Die Suchthilfe in Sachsen meldete, dass sich die Zahl der Crystal-Konsumenten, die Hilfe suchten, zwischen 2002 und 2012 vervierfacht habe auf 3.501 Menschen (REITOX-Bericht, 2013).