Verbraucher müssen derzeit also keine Angst vor einer Erkrankung durch ESBL-Keime haben.

Dennoch gibt es ein Problem und es liegt dort, wo die Wurst herkommt: in der Massentierhaltung. Zuletzt wurden 2012 mehr als 1.600 Tonnen Antibiotika in der Tiermast verabreicht (BVL, 2013). Eine repräsentative Studie kam vergangenen Dezember zu beunruhigenden Ergebnissen (van Rennings et al., 2013).

2012 bekam ein Masthähnchen im Schnitt an zehn seiner 39 Lebenstage Antibiotika, ein Mastschwein an vier von 115 Tagen Lebenszeit. Ob das therapeutisch sinnvoll gewesen ist, darf bezweifelt werden. Verwendet werden hier eben auch Arzneien, die für Menschen gedacht sind. Und überall dort, wo kräftig Antibiotika im Umlauf ist, werden Bakterien leicht für sie unangreifbar. Längst haben Forscher Resistenzgene in gefährlichen Krankenhauskeimen nachgewiesen, die identisch mit denen sind, die auch in Ställen auf Küken oder Schweinefleisch vorkommen. Und selbst auf Salat hat man ESBL-Keime gefunden.    

Das eigentliche Risiko besteht darin, dass Bakterien Erbgut untereinander austauschen können. Und so kann die Fähigkeit der Resistenz von einem für Menschen harmlosen Bakterienstamm auf einen anderen übergehen, der tatsächlich schwer krank macht. "Wie genau sie sich über die Nahrungskette und in der Umwelt ausbreiten, erforschen wir derzeit hier in Greifswald", sagt Ivo Steinmetz. Bisher ist der genaue Weg, wie sich Resistenzen aus der Tiermast in die Bevölkerung verbreiten und letztlich ihren Weg in die Krankenhäuser finden noch eine Blackbox.

Berechtigte Forderungen, falsch begründet

Eine Gefahr, auf die die Grünen zu Recht hinweisen, aber auf irreführende Weise. Es lauert keine akute Lebensgefahr im Wurstregal. Wohl aber gibt es ein grundsätzliches Problem. Zwar dürfen Landwirte seit 2006 Antibiotika in europäischen Ställen nicht mehr nutzen, um das Wachstum ihrer Tiere zu beschleunigen. Und zum 1. April wurden die Gesetze zum Antibiotikaeinsatz in Deutschland noch einmal verschärft. Gleichzeitig werden die Medikamente noch immer viel zu häufig und leichtfertig von Tierärzten gegeben und auch in der Humanmedizin noch zu häufig und teilweise falsch verwendet. Schon heute warnen Mediziner vor dem Ende des Antibiotikazeitalters.

Ein Umdenken in der Art, wie wir Tiere halten, ein verantwortungsvoller Umgang mit Antibiotika in der Medizin, mehr Transparenz für Verbraucher, was die Herkunft und Verarbeitung ihrer Lebensmittel angeht und strikte Hygiene in Krankenhäusern – all das zu fordern, ist richtig. Wer dabei Panik schürt und die Fakten verdreht, verliert seine Glaubwürdigkeit.