4. Die Krankenkasse zahlt nur eine Hanftherapie.

Der Wirkstoff Dronabinol ist hierzulande als Betäubungsmittel eingestuft und nicht als Medikament zugelassen. Er darf also nicht einfach zu Arzneien verarbeitet und verabreicht werden. Dennoch gibt es Ausnahmen, in denen Ärzte auch Betäubungsmittel verschreiben dürfen. Etwa, wenn es der Forschung dient oder Patienten kein anderes Mittel mehr helfen kann. Nur etwa 3.500 deutsche Patienten erhalten auf dieser Grundlage Cannabis-Wirkstoffe auf Rezept – meist gegen chronische Schmerzen.   

Als Arznei ist in Deutschland nur ein Mittel zugelassen: Sativex. Das flüssige Präparat, das in die Mundhöhle gesprüht wird, erhalten Menschen mit der Nervenkrankheit Multiple Sklerose (MS) gegen Krämpfe. Als Wirkstoffe enthält es THC und CBD. Auch in anderen europäischen Ländern ist es auf dem Markt, nicht aber in den USA. 

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Die Krankenkassen zahlen diese MS-Therapie. Zwar kann jeder Arzt Sativex auch gegen andere Beschwerden verschreiben, die Kosten muss der Patient dann aber selbst zahlen. Schnell kommen da mehrere Hundert Euro pro Monat zusammen.

5. Hanf als Arznei ist kaum zu bekommen.

Wer schwer krank ist und Hanf gegen seine Schmerzen braucht, dem bleiben hierzulande nur sehr bürokratische, umständliche oder illegale Wege. Rund 300 Männer und Frauen besitzen eine Ausnahmegenehmigung der Bundesopiumstelle. Damit dürfen sie sich über eine Apotheke zum Beispiel Hanfblüten für Tees oder Cannabis-Extrakt besorgen.

Es sind nur so wenige, da das zuständige Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte nur dann ein Rezept bewilligt, wenn ein Patient als austherapiert gilt. Das heißt, wer Cannabis therapeutisch nutzen möchte, braucht einen Nachweis seines Arztes, dass ihm alle sonst verfügbaren Arzneien nicht mehr helfen. Ganz gleich, ob diese vielleicht verheerendere Nebenwirkungen hätten als das Gras selbst.

Krankenkassen zahlen für eine solche Hanftherapie per Sonderregelung ohnehin nicht. Oft haben Apotheken das medizinsiche Cannabis nicht vorrätig, was zu langen Wartezeiten und erneuten Schmerzen der Patienten führt.

6. Cannabis selbst wird nie Medikament werden.

Cannabis enthält Hunderte Inhaltsstoffe. Deshalb kann es nach international geltenden Arzneimittelgesetzen nicht als Medikament zugelassen werden. Zunächst muss für Medikamentenprüfer klar sein, welche Moleküle im Hanf wie genau wirken. In manchen US-Bundesstaaten können Kranke Cannabis aber trotzdem für medizinische Zwecke erwerben, ohne sich strafbar zu machen.

In Deutschland ist es für Patienten auf legalem Wege schwer zu bekommen. Daran wird auch das neuste Urteil des Kölner Verwaltungsgerichts wenig ändern, wenngleich der vorsitzende Richter den Eigenanbau von Cannabis in bestimmten Fällen befürwortet hat.  

7. Cannabis macht selten abhängig.

Die Wirksubstanzen im Cannabis sind keineswegs ungefährlich. Viele unerwünschte Folgen kennen Mediziner und Suchtspezialisten aus dem Drogenalltag von Hanfkonsumenten. Die Wirkstoffe THC und CBD sind im Marihuana oder Haschisch deutlich höher konzentriert als in den zugelassenen Arzneien.

Abhängig macht aber erst der regelmäßige Konsum und das auch nur in etwa einem von zehn Fällen (Budney et al., 2007). Kaum eine andere illegale Droge macht seltener süchtig, zugleich ist keine verbotene Substanz so weit verbreitet wie Cannabis. Geschätzt hat fast jeder vierte Deutsche in seinem Leben mindestens einmal Gras oder das Harz des Hanfs als Droge probiert. Hochgerechnet sind etwa 557.000 Deutsche hanfabhängig (Pabst et al., 2013).

Häufiger oder gar täglicher Konsum kann Psychosen auslösen (Moore et al., 2007). Absolut gesichert ist dies nicht, aber in Einzelfällen belegt. Ohnehin ist Cannabis auf merkwürdige Art auch mit Schizophrenie verknüpft. Einen Zusammenhang zeigte vor fast 30 Jahren eine Langzeitstudie unter 46.000 Wehrpflichtigen in Schweden (Andréasson et al, 1987). Doch bis heute bleibt die Frage, ob tatsächlich Cannabis die seltene psychische Erkrankung auslöst oder es umgekehrt gerade von Menschen, die zu einer Schizophrenie neigen, häufiger genommen wird. Ursache und Wirkung sind bislang ungeklärt.