Es gibt Hunderte gar Tausende Menschen in Deutschland, die an unbezwingbaren Schmerzen leiden. In ihren Körpern pocht, wummert, brennt es den ganzen Tag, jede Minute, ohne Unterlass. Selbst die stärksten Medikamente helfen nicht oder ihre Nebenwirkungen sind so heftig, dass der Dauerschmerz die erträglichere Variante ist.

Dabei ließe sich ihnen helfen, mit Arzneistoffen aus Cannabis. Doch die deutsche Bürokratie und das Betäubungsmittelstrafrecht verhindern dies seit Jahrzehnten. Cannabis ist in Deutschland eine illegale Droge, wer mit Auszügen aus dem Gewächs erwischt wird, damit handelt oder die Pflanze anbaut, muss mit harten Geldstrafen oder Gefängnis rechnen. Eine unhaltbare Situation, denn der medizinische Nutzen von Cannabis ist unbestritten. Eine Freigabe für Patienten damit überfällig.

Mit seinem Urteil hat das Verwaltungsgericht in Köln dies gewissermaßen bestätigt. Fünf Menschen mit chronischen Schmerzen haben dort gegen das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) geklagt. Es hatte ihnen verwehrt, Cannabis zur Eigentherapie anzubauen.

In drei Fällen muss das BfArM die Anträge jetzt erneut prüfen, denn das Gericht sagt: Der Anbau von Cannabis zu Hause zu therapeutischen Zwecken kann genehmigt werden. Die betroffenen Kläger brächten alle Anforderungen mit. Damit dürfte es in naher Zukunft erstmals offiziell genehmigte Cannabisgewächse in drei deutschen Wohnungen geben.

Es gibt längst Hanf-Arzneistoffe

Das Urteil ist ein Erfolg für Menschen, denen derzeit nichts mehr hilft, um ihre Leiden zu dämpfen. Allerdings wäre das Ringen um den Eigenanbau nicht notwendig, würden sich in Deutschland endlich die Gesetze ändern, die Cannabis grundsätzlich als gefährliche Droge einstufen und verteufeln.

Längst gibt es zugelassene, wirksame Arzneistoffe, die aus den Extrakten von Cannabisblüten und -blättern gewonnen oder im Labor zusammengefügt werden, wie Nabiximols, Dronabinol oder Nabilon. Sie dürfen in Deutschland sogar schon verschrieben werden. Der Weg dorthin ist allerdings viel zu lang, schwierig und für die meisten einfach zu teuer.

So hat überhaupt nur Anspruch auf die Cannabis-Behandlung, wen Mediziner für austherapiert halten. Patienten also, denen nachweislich keine anderen Arzneien oder Maßnahmen mehr helfen können. Nur wenige Mediziner attestieren ihren Patienten eine solche Ausweglosigkeit.

Wer keinen Zugang über seinen Arzt bekommt, für den ist eine Sondergenehmigung der Bundesopiumstelle der letzte Ausweg, um legal an Hanfblüten und -blätter etwa aus niederländischen Apotheken zu kommen. So haben es die fünf Kläger vor dem Verwaltungsgericht in Köln auch gemacht. Der Antrag dafür ist aber unnötig bürokratisch, umständlich und schließt viele Patienten aus.