Am 6. Dezember 2013 stirbt in Guinea ein Zweijähriger. An Ebola. Er gilt als Patient Null der aktuellen Epidemie – der größten aller Zeiten. Von einer Fledermaus oder einem Affen muss der Junge sich die Seuche geholt haben. Seine Familie steckte sich an. 

Seither geht das Ebola-Virus um, tötet mehr als jeden zweiten, der sich infiziert. Bisherige Bilanz: Mehr als 3.000 gemeldete Fälle und über 1.500 Tote in Guinea, Liberia, Sierra Leone und Nigeria.

Während Ebola in Guinea ausbricht, schleppt sich im Norden Kenias ein Mann ins Krankenhaus. Er ist schlapp, hat Fieber. Wilson Kipkorir denkt erst, er hätte mal wieder Malaria. Diesmal ist auch sein Bauch angeschwollen. Die Diagnose: Viszerale Leishmaniose, auch "Kala Azar" genannt. Parasiten haben die Eingeweide des Mannes befallen, übertragen von Sandmücken. Die hatten ihn regelmäßig zerstochen, wenn er im Busch Kühe hütete.

Ein Fall, nicht der Rede wert, könnte man meinen. Dabei ist die Krankheit des Kenianers viel weiter verbreitet als Ebola. Seit Beginn der Ebola-Epidemie vor achteinhalb Monaten sind in ganz Afrika rund 22.000 Menschen an Viszeraler Leishmaniose erkrankt. Weltweit infizieren sich jedes Jahr rund 300.000, etwa 20.000 sterben – die meisten, weil sie nicht behandelt werden. Kipkorir hat Glück. Er überlebt, weil er ein neues Kombinationsmedikament bekommt.

Afrikas vergessene Krankheiten

Vor gut einem Jahrzehnt hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) eine Liste vernachlässigter Tropenkrankheiten aufgesetzt (Neglected Tropical Diseases, kurz NTD). Aktuell stehen 17 Krankheiten darauf: von A wie Afrikanische Trypanosomiasis (Schlafkrankheit) bis Z wie Zystizerkose. Ihre Überträger kommen meist nur in tropischen Klimazonen vor. So tragen Tsetse-Fliegen den Parasiten in sich, der die Schlafkrankheit verursacht, Tigermücken übertragen das Dengue-Fieber, Sandmücken die Leishmaniose.

Nicht die tropischen Bedingungen machen diese Krankheiten so verheerend, sondern die Lebensumstände in den betroffenen Ländern: Dort sind viele Menschen zu arm, um sich zu schützen, etwa Mückennetze zu bezahlen oder Wasser abzukochen. Die Gesundheitssysteme sind oft rudimentär. In manchen Regionen Afrikas kommen nur ein bis zwei Ärzte auf 100.000 Einwohner.

Die wenigen verfügbaren Medikamente haben zum Teil schwere Nebenwirkungen, sind zu teuer oder halten sich nur, wenn während des Transports die Kühlkette eingehalten wird, was dort kaum zu gewährleisten ist. Nach Ansicht der WHO und Ärzte ohne Grenzen werden diese Probleme zu wenig wahr- und ernstgenommen. Deswegen gelten Leishmaniose, Schlafkrankheit und ähnliche Erkrankungen als vernachlässigt. Sie sind teilweise sogar einfach zu behandeln – nur eben nicht in armen Staaten.