Mehr als 1.500 Menschen sind inzwischen in Westafrika an Ebola gestorben und weiterhin breitet sich das tödliche Virus rasant aus. Etwa alle 35 Tage verdoppelt sich die Zahl der bekannten Fälle. Ein Ende der Epidemie liegt in weiter Ferne, sie könnte noch Monate andauern. Die WHO schätzt, dass sich bis dahin bis zu 20.000 Menschen mit dem Virus angesteckt haben könnten. Was macht den Erreger so gefährlich, wie unterscheidet sich das aktuelle Virus von jenen, die zuvor schon in Afrika Menschen infizierten? Und wie breitet es sich aus? Forscher haben darauf nun die ersten Antworten.

Der amerikanische Biologe Stephen Gire hat zusammen mit Kollegen das Erbgut des Erregers isoliert. 78 Ebola-Patienten in Sierra Leone hatten sie zuvor Blut abgenommen. Sie fanden im Genom Spuren, wie der Erreger sich überträgt und wie schnell er sich verändert. Ihre Ergebnisse haben sie im Magazin Science veröffentlicht (Gire et al., 2014).

Die gute Nachricht: Unter den 78 Ebola-Erkrankten war niemand, der sich das Virus von einem Tier eingefangen hatte. Der derzeitige Ausbruch könnte auf eine einzige Erkrankung zurückgehen. Ein Zweijähriger aus Guinea, der im Dezember 2013 erkrankte. Vermutlich hatte er Flughundfleisch gegessen, das Tier trug den Erreger in sich (Baize et al., 2014). Das beruhigt Epidemiologen deshalb ein wenig, weil für den aktuellen Ausbruch offenbar nur eine Übertragung von Mensch zu Mensch eine Rolle spielt, nicht noch zusätzlich eine von Tier zu Mensch. Wenn es gelingt, alle Betroffenen in Quarantäne zu nehmen, kann die Epidemie gestoppt werden.

Könnte sich das Virus plötzlich über die Luft übertragen?

Allerdings fürchten viele, dass der Erreger sein Erbgut verändern könnte. Tatsächlich mutiert das aktuelle Virus relativ häufig. Es könnte so robust werden, dass es sich nicht wie jetzt nur über Körperflüssigkeiten auf andere Menschen überträgt, sondern seine Wirte auch über die Luft erreicht. "Die Wahrscheinlichkeit für eine solche Mutation ist sehr gering, aber sie besteht. Und mit jeder Übertragung kriegt das Virus eine weitere Chance dazu", sagt der Virologe Stephan Becker von der Universität Marburg. Darum sei es so wichtig, die Epidemie schnellstmöglich einzudämmen.

Becker sieht ein weiteres Problem. Finden Mutationen irgendwann auf Teilen des Erreger-Genoms statt, die für den Nachweis des Virus wichtig sind, könnten Ärzte Probleme haben, Ebola zu diagnostizieren. Infizierte würden vielleicht nicht erkannt, was nicht zuletzt auch den gefährlichen Job der Helfer noch schwieriger machen würde.

Der westafrikanische Erreger sei aber auch kein Super-Virus, gegen den ganz andere Strategien in der Bekämpfung notwendig wären als bisher. "Wir wissen, womit wir es zu tun haben", sagt der Virologe Becker. 

Weshalb so viele Menschen betroffen sind, hat andere Gründe. "Die hohe Zahl der Erkrankungen und Todesfälle ist wahrscheinlich auf Unterschiede in der Bevölkerungsstruktur, den Kontrollmechanismen und den Gesundheitssystemen zurückzuführen", sagt Andrew Rambaut. Der Molekularbiologe an der Universität Edinburgh war an der aktuellen Studie beteiligt. Er und seine Kollegen gehen davon aus, dass das Virus kein Vertreter eines vollkommen neuen Stammes ist, sondern aus Zentralafrika kommt. Innerhalb der vergangenen zehn Jahre hat es sich womöglich im Blut von Tieren nach Westafrika ausgebreitet.

Gefährlich ist es aber nach wie vor. Das haben Rambaut und Studienleiter Gire selbst erlebt. Fünf Mitarbeiter aus Sierra Leone, die den Forschern mit ihren Untersuchungen halfen, infizierten sich mit Ebola. Keiner von ihnen hat überlebt.