Es ist kein Grund zur Panik, vor allem nicht in Europa. Weltweit wird sich Ebola wohl nicht ausbreiten – davon sind Experten überzeugt. Für Westafrika ist die neuste Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) aber sehr besorgniserregend: Dort könnten sich im Laufe der Epidemie, die im Dezember 2013 begann, mehr als 20.000 Menschen infizieren. Die Seuchenbekämpfung wird nach Ansicht der WHO, die dazu heute einen Notfallplan (Ebola Response Roadmap) veröffentlicht hat, im kommenden halben Jahr mehr als 370 Millionen Euro kosten.   

Ziel des Notfallplans ist es, in den besonders betroffenen Gebieten die Ausbreitung der Infektionskrankheit binnen drei Monaten zu stoppen. Zudem müsse die Übertragung des Virus in Haupt- und Hafenstädten gestoppt werden. Ein vollständiges Ende der Epidemie ist der WHO zufolge auch bei vollständiger Umsetzung des Notfallplans erst in sechs bis neun Monaten zu erwarten.

Die Epidemie betrifft derzeit die Länder Guinea, Liberia, Nigeria und Sierra Leone. Die Zahl der gemeldeten Kranken, bei denen der Verdacht auf Ebola besteht oder in deren Blut das Virus schon nachgewiesen wurde, war bis zum 26. August auf 3.069 gestiegen. 1.552 Infizierte sind seit Ausbruch der durch Tiere übertragenen Krankheit im Dezember 2013 gestorben. Tatsächlich könne die Zahl zwei- bis viermal so hoch liegen, warnte die WHO. 

Viermal so viele Kranke wie gemeldete Ebola-Fälle?

Die Dunkelziffer nicht entdeckter oder gemeldeter Fälle dürfte hoch sein, da Hilfsorganisationen nicht alle betroffenen Dörfer und Stadtteile erreicht haben. Zum Teil werden Erkrankungsfälle von Familien geheim gehalten, Patienten nicht zu Ärzten, in Kliniken oder in die provisorischen Isolierstationen gebracht. Denn das Misstrauen ausländischen Helfern gegenüber ist groß. Viele Menschen sind zudem nicht über die Ansteckungsgefahr und die Folgen von Ebola aufgeklärt.

Auch in Nigeria, dem Land, das die Seuche zuletzt erreichte, breitet sich der Erreger weiter in der Bevölkerung aus. Wie Gesundheitsminister Onyebuchi Chukwu sagte, habe es das erste Ebola-Todesopfer außerhalb der Metropole Lagos gegeben. Dort war am 22. August am Öl-Handelsplatz Port Harcourt im Rivers State ein Arzt gestorben. "Nachdem seine Witwe den Tod gemeldet hatte, haben wir den Fall gründlich untersucht und die Laboranalyse zeigt, dass er an der Ebola-Viruserkrankung starb", sagte der Minister. Der Verstorbene hatte zuvor einen Ebola-Patienten behandelt.

Begonnen hatte die aktuelle Epidemie schon Ende vergangenen Jahres, als sich ein Zweijähriger in Guinea an einem Tier – vermutlich einem Affen oder einer Fledermaus – infizierte. Die Familie des Kindes steckte sich an, von da aus verbreitete sich der Erreger unter Menschen.

Ebola bildet mit dem Marburg-Virus die Familie der Filoviren. Je nach Herkunft unterscheidet man fünf Spezies von Ebola-Viren: Zaire, Sudan, Bundibugyo, Côte d'Ivoire (Elfenbeinküste) und den auf den Philippinen vorkommenden Reston-Stamm. Lediglich die Reston-Variante ist für Menschen ungefährlich. Bei Infektionen mit allen anderen Typen liegt die Sterblichkeitsrate bei 50 bis 90 Prozent. Das heißt, mindestens jeder zweite Infizierte stirbt. Der aktuell in Westafrika umgehende Erreger ist einer Variante des Zaire-Stamms, mehr als die Hälfte der Erkrankten überleben nicht. 

Ansteckung über Blut, Schweiß und Speichel

Übertragen wird das Virus über Körperflüssigkeiten (Blut, Schweiß, Urin, Speichel). Es verbreitet sich nicht durch die Luft, wie etwa eine Grippe. Doch enges Zusammenleben in der Familie reicht, um sich anzustecken. Besonders dort, wo es keine oder nur schmutzige sanitäre Anlagen gibt und die Menschen ohnehin unter schlechten hygienischen Bedingungen leben, ist das Infektionsrisiko hoch.

In der ersten Phase verläuft eine Ebola-Erkrankung ähnlich einer Grippe: mit hohem Fieber, Muskelschmerzen, Durchfall und Erbrechen. Allerdings treten diese Symptome auch bei Malaria, Typhus, Cholera und anderen in Westafrika häufigen Krankheiten auf. Das macht eine Diagnose ohne Labortest schwierig. Später – ab Tag fünf bis sieben – kommt es zu inneren Blutungen. Wenn schließlich die Organe versagen, führt das zum Tod.