Es ist ohne Zweifel einer der größten Erfolge des 20. Jahrhunderts im Kampf gegen Krebs: In Ländern, in denen der Pap-Abstrich eingeführt wurde, hat Gebärmutterhalskrebs drastisch abgenommen. In Deutschland zahlen die Kassen die Untersuchung auf auffällige Zellen, die der griechische Arzt George Papanicolaou entwickelte, seit dem Jahr 1971 für alle Frauen ab 20 Jahren einmal im Jahr. Die Erkrankungsrate ist seitdem um 80 Prozent gefallen. Während das Lebenszeitrisiko für die – mit 500.000 Neuerkrankungen in jedem Jahr weltweit recht häufige – Krebsart ohne jede Früherkennung bei drei bis fünf Prozent zu verorten ist, liegt es in Deutschland laut Robert Koch-Institut bei weniger als einem Prozent.

Anders als bei den allermeisten anderen Krebsformen gibt es für Gebärmutterhalskrebs, medizinisch Zervix-Karzinom genannt, einen Hauptschuldigen: Das Humane Papillomvirus HPV, das meist beim Geschlechtsverkehr übertragen wird. Weil es gegen die wichtigsten Typen von HPV inzwischen eine Impfung gibt, die in Deutschland allen Mädchen ab 12 Jahren angeboten wird, sind die Chancen gut, dass es künftig noch weniger Fälle von Gebärmutterhalskrebs in der Bevölkerung gibt.  

So weit, so erfreulich. Doch es gibt Streit um das beste Vorsorgemodell. Erstens, weil der jährliche Pap-Abstrich international eher die Ausnahme ist und andere Länder mit größeren Intervallen gleich gute Erfolge erzielen. Zweitens, weil inzwischen HPV-Tests ins Früherkennungsspiel gekommen sind – die die Krankenkassen allerdings im Normalfall noch nicht bezahlen. Bisher ist das eine rund 50 Euro teure Individuelle Gesundheitsleistung.

In einem aktualisierten Report hat das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen im Auftrag des gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) Mitte Juni eine Einschätzung gegeben. Das Institut sieht "Hinweise, dass mithilfe des Tests Vorstufen des Gebärmutterhalskrebses früher erkannt und behandelt werden können und Tumoren in der Folge seltener auftreten", empfiehlt aber dessen Routineeinsatz bisher nicht. Noch fehlen Erkenntnisse zur Auswirkung auf die Sterblichkeit. Vor allem aber ist unklar, ob der sehr empfindliche Test auch Ängste schüren, zu unnötigen Behandlungen von Vorformen führen und damit letztlich schädlich sein könnte. Denn bei rund einem Viertel aller jungen Frauen Anfang 20 fällt er positiv aus. Doch in drei von vier Fällen bildet sich die Infektion von selbst zurück. Erst mit den Jahren steigt das Risiko, dass Zellveränderungen entstehen, aus denen später Krebs werden kann. 

In einer Leitlinie, die 2008 unter Federführung der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) veröffentlicht wurde, werden HPV-Tests denn auch erst ab einem Alter von 30 Jahren empfohlen. Denkbar wäre, gleichzeitig mit ihrer Einführung als Kassenleistung die Intervalle zwischen den Abstrichen nach internationalem Vorbild zu vergrößern. Die dringend fällige Aktualisierung der Leitlinie verzögert sich jedoch, weil die Experten sich heftig zerstritten haben. Im Mai haben sich die Vertreter des Berufsverbands der Frauenärzte und der Pathologen aus dem Gremium zurückgezogen.  

Ein Modellversuch, den das Klinikum der Stadt Wolfsburg zusammen mit niedergelassenen Frauenärztinnen und Frauenärzten und einer Betriebskrankenkasse gestartet hat, zeigt derweil, wie es in der Praxis gehen könnte: Beim "Wolfsburger Modell" haben zwischen 2006 und 2010 an die 20.000 Frauen ab 30 zunächst beides bekommen, Pap-Abstrich und HPV-Test. Fielen die Tests unbedenklich aus, sollten sie erst nach fünf Jahren wiederkommen, im anderen Fall gab es engmaschigere Kontrollen, zum Teil in der Spezialsprechstunde der Klinik. Chefarzt Karl Ulrich Petry berichtete 2011 in der Zeitschrift Monitor Versorgungsforschung, man habe die Treffsicherheit vergrößern können, ohne bei den Frauen größere Angst zu erzeugen. "Die Telefonhotline erwies sich als überflüssig."