Mit fast 60.000 Neuerkrankungen in jedem Jahr ist Prostatakrebs die häufigste Krebserkrankung unter deutschen Männern. Was die Statistik der Todesursachen angeht, steht diese Krebsart aber nur an siebter Stelle. Der Grund: Sie verläuft oft sehr langsam, die meisten Diagnosen werden im Rentenalter gestellt. Viele Männer sterben später nicht an, sondern mit einem Prostatakarzinom.

Ziel von Früherkennungsuntersuchungen kann also nur sein, diejenigen Tumore zu entdecken, die behandelt werden müssen, damit der Mann ihnen nicht zum Opfer fällt. Natürlich müssen sie in einem Stadium entdeckt werden, in dem sie sich noch heilen lassen. Gesucht werden also aggressive, aber noch auf das Organ begrenzte Karzinome. Und das unter Männern, die noch keine Symptome haben und deren Lebenserwartung – ohne eine Krebserkrankung – noch mindestens zehn Jahren beträgt.

Zwei Methoden gibt es: Erstens die Tastuntersuchung der Prostata vom Enddarm aus (digital-rektale Untersuchung), die allen Versicherten ab 45 Jahren kostenlos angeboten wird. Einmal im Jahr kann man diesen Check machen. Zweitens eine Blutuntersuchung auf den Tumormarker PSA (Prostata-spezifisches Antigen), ein Eiweiß, das von der Vorsteherdrüse, der Prostata also, gebildet wird, um das Sperma zu verflüssigen. 

Die Prostata ist eine Geschlechtsdrüse des Mannes. Sie produziert einen Teil des Spermas und liegt unterhalb der Harnblase. In Form und Größe ähnelt sie einer Kastanie.

Der PSA-Wert wird in Nanogramm (Milliardstel Gramm) pro Milliliter Blut angegeben. Ist er erhöht, könnte Prostatakrebs dahinter stecken. Falscher Alarm ist hierbei aber häufig: Drei von vier Männern mit einem erhöhten Wert haben doch keinen Krebs. Das wird dann aber erst durch die an den Test anschließende Untersuchung einer entnommenen Gewebeprobe (Biopsie) festgestellt.  

Studien zeigen: Der Test auf Krebs hat nicht nur Vorteile

Wer sich überlegt, den Test zu machen, sollte die hohe Fehlalarm-Quote kennen. Das kann unnötige Angst verhindern. Um Männern die Entscheidung zu erleichtern, bieten das Deutschen Krebsforschungszentrum, die Uni Bremen und die AOK online einen Ratgeber an.

In der Interdisziplinären Leitlinie, die 2011 unter Federführung der Deutschen Gesellschaft für Urologie herausgegeben wurde, empfehlen die Experten: "Männern, die nach Aufklärung eine Früherkennung wünschen, sollen das Bestimmen des PSA und eine digital-rektale Untersuchung als Untersuchungsmethoden empfohlen werden." In welchen Abständen der Test wiederholt werden sollte, hänge vom ersten ermittelten Wert ab, heißt es dort.

Möglicherweise könnte es für Männer sinnvoll sein, schon in relativ jungen Jahren vom Urologen einen Basiswert des PSA ermitteln zu lassen. Ob das schon ab 45 oder erst ab 50 Jahren empfehlenswert ist, soll eine Langzeitstudie zeigen, die in diesem Jahr angelaufen ist: Ergebnisse werden frühestens in 15 Jahren erwartet. 

Die Ergebnisse einer europaweiten Studie, die schon seit 1993 lief, erschienen kürzlich im Magazin Lancet. 162.000 Männer  zwischen 50 und 74 Jahren aus acht europäischen Ländern waren dafür beobachtet worden (Schröder et al., 2014). Man hatte sie zufällig in zwei Gruppen aufgeteilt. Die einen ließ man alle vier Jahre einen PSA-Text machen, lag der Wert über drei Nanogramm pro Milliliter Blut, wurde eine Gewebeprobe analysiert. Die anderen unterzogen sich keiner solchen Früherkennung.

Es zeigte sich: Die Zahl von Todesfällen infolge von Prostatakrebs hatte die Kombination aus PSA-Test und möglicher Biopsie zwar verringern können – in der Früherkennungsgruppe waren 13 Jahre nach Beginn der Studie ein Fünftel weniger Männer daran gestorben. Aber der PSA-Test hatte auch in 40 Prozent der Fälle zu einer Überdiagnose geführt, sprich: Männer wurden unnötiger Weise operiert oder bekamen eine Chemo- oder Strahlentherapie – Maßnahmen, die zu Impotenz und Inkontinenz führen können.