Die Weltgesundheitsorganisation hat die Ebola-Epidemie in Westafrika zum internationalen Gesundheitsnotfall erklärt. Die Einschätzung sei einstimmig von den Viren- und Seuchen-Experten des Notfall-Komitees getroffen worden, teilte die WHO in Genf mit. Eine koordinierte internationale Antwort sei nötig, um eine weltweite Ausbreitung des Virus zu stoppen. WHO-Generaldirektorin Margaret Chan sagte, sie habe die Empfehlungen des Notfall-Komitees vollständig angenommen.

Mit dieser Entscheidung hat die Organisation die Möglichkeit, weltweit Vorschriften zur Eindämmung des Ebola-Ausbruchs zu erlassen. Dazu zählen unter anderem Quarantäne-Maßnahmen wie die Schließung von Grenzen und Einschränkungen im internationalen Reiseverkehr.

WHO-Generaldirektorin Chan gab bekannt, dass sie mit der Entscheidung weltweit völkerrechtlich verbindliche Gesundheitsvorschriften in Kraft setze. "Alle Maßnahmen sind darauf gerichtet, eine weitere internationale Ausbreitung zu verhindern", sagte sie auf einer Pressekonferenz in Genf. Es handele sich um die schlimmste Epidemie dieser Art seit vier Jahrzehnten

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Chan drängte die internationale Gemeinschaft, den betroffenen Ländern zu Hilfe zu kommen. Die Ankündigung sei "ein deutlicher Ruf nach internationaler Solidarität". Die betroffenen Länder hätten "nicht die Kapazität, selbstständig mit einem Ausbruch dieser Größe und Komplexität fertig zu werden".

Ähnliche Notstände hatte die WHO für den Ausbruch der Schweinegrippe 2009 und der Kinderlähmung im Mai ausgerufen.

Die Krankheit Ebola hatte sich seit Anfang des Jahres von Guinea aus nach Sierra Leone und Liberia ausgebreitet. Nach Angaben der WHO sind bislang in Westafrika mehr als 930 Menschen an dem aggressiven Virus gestorben, mehr als 1.700 Menschen seien infiziert. Inzwischen ist auch Nigeria betroffen. Bislang gibt es gegen die Krankheit weder ein wirksames Medikament noch einen Impfschutz.

Ebola-Patienten sollen nur in Ausnahmefällen reisen dürfen

Weltweite Verbote im Reiseverkehr hält die WHO laut der Empfehlung noch nicht für nötig. Reisende müssten aber obligatorisch über die Ebola-Lage sowie Schutzmaßnahmen vor einer Ansteckung informiert werden. Ebola-Patienten sollen demnach nur in Ausnahmefällen reisen dürfen, wenn eine medizinische Behandlung vor Ort nicht hinreichend möglich ist. Die Regierungen der betroffenen Länder werden aufgerufen, umgehend den nationalen Notstand auszurufen, wenn das noch nicht geschehen ist.