Ein Expertengremium der Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat den Einsatz von experimentellen Wirkstoffen im Kampf gegen die Ebola-Epidemie in Westafrika empfohlen. Die Gesundheitsexperten der Vereinten Nationen wollen damit Therapien auf der Grundlage einer Verabreichung von Blutplasma und bislang noch ungetesteter Seren ermöglichen. Solche Therapien könnten ab sofort in den betroffenen Ländern begonnen werden.

Zugleich gab die WHO bekannt, dass die Sicherheit von zwei ersten vielversprechenden Impfstoffen, die derzeit noch in der Erprobungsphase sind, im November feststehen sollen. Eines der beiden Seren sei Ende August in Mali getestet worden, schreiben die WHO-Experten. Im Fall positiver Ergebnisse könnten etwa Ärzte und Pfleger in den betroffenen westafrikanischen Ländern kurzfristig geimpft werden.

Seit Donnerstag diskutierten rund 200 Experten auf Einladung der WHO über eine Liste mit zwei Impfstoffen und acht Medikamenten zur Behandlung von Ebola, darunter das Medikament ZMapp, das schon einzelne Ärzte und Helfer im Seuchengebiet bekommen hatten. Keines dieser Pharmaprodukte ist aber bislang klinisch erprobt oder offiziell für den Einsatz gegen das Ebola-Virus zugelassen. 

Zahl der Toten steigt

Fraglich ist zudem, ob die diskutierten Therapien, Medikamente und Impfstoffe in Westafrika überhaupt etwas ausrichten können. Zum einen muss ihre Sicherheit und ihre Wirkung noch an Menschen getestet werden, zum anderen könnte es zu lange dauern, ausreichende Mengen zu produzieren. Wissenschaftler hatten schon vor Wochen darauf hingewiesen, dass längst Zigtausende Afrikaner hätten behandelt werden müssen, hätte man die Epidemie dadurch eindämmen wollen. Ein hypothetischer Gedanke – denn ein wirksames Mittel stand nicht zur Verfügung.

Nur Quarantäne und die Isolierung von Erkrankten wird den Ausbruch vermutlich auch dieses Mal – wie alle Male zuvor – noch eindämmen können. Der nun wahrscheinliche Einsatz nicht erprobter Medikamente wird vor allem die Forschung voranbringen. Zukünftige Ausbrüche des Virus, das von Tieren (Fledermäusen oder Affen) auf Menschen übertragen werden kann, würden dann vielleicht gar nicht erst zu einer Epidemie mit Hunderten und Tausenden Infizierten führen.

In Westafrika hat der Ausbruch im Dezember 2013 mittlerweile zur größten Ebola-Epidemie aller Zeiten geführt. Die Zahl der von der WHO registrierten Toten ist in den drei am schwersten betroffenen Ländern auf mehr als 2.000 gestiegen. Aus Guinea, Liberia und Sierra Leone wurden mehr als 3.940 Fälle von wahrscheinlichen oder bestätigten Infektionen gemeldet. Hinzu kommen 23 Fälle mit acht Toten in Nigeria, wo der Ausbruch bislang besser unter Kontrolle ist. Im Senegal gab es einen Einzelfall.

Dunkelziffer an Infizierten

Wissenschaftler weisen immer wieder darauf hin, dass zu diesen Zahlen eine Dunkelziffer hinzukommt. Denn in den betroffenen Ländern werden mit Sicherheit nicht alle Ebola-Fälle bemerkt, gemeldet und entsprechend von der WHO registriert. Einige Dörfer sind für Hilfskräfte – etwa von der Organisation Ärzte ohne Grenzen – unzugänglich. Aus Angst vor ausländischen Ärzten werden Kranke von ihren Familien teils sogar vor Ärzteteams versteckt.