Wer sich infiziert, den holen wir raus: Das versprechen Politiker und Hilfsorganisationen den Freiwilligen, die in Westafrika gegen Ebola kämpfen. Mindestens 13 infizierte Mediziner, Krankenschwestern und andere Mitarbeiter internationaler Hilfsorganisationen sind bisher aus den Krisenländern Liberia, Sierra Leone und Guinea in westliche Staaten geflogen worden.

Doch haben sie außerhalb Afrikas wirklich bessere Chancen, die Krankheit zu überleben? Wer wird aus den von Ebola betroffenen Gebieten gebracht? Und stehen überhaupt genug Flugzeuge zur Verfügung, um Erkrankte zu transportieren? ZEIT ONLINE hat die wichtigsten Fragen und Antworten zusammengestellt:

Wie viele Ebola-Patienten werden außerhalb Westafrikas behandelt?

Bisher sind mindestens 17 Ebola-Infizierte in westlichen Ländern behandelt worden. Vier von ihnen sind mittlerweile verstorben. Die meisten Patienten werden in Kliniken in den USA behandelt. Wie sich die Ebola-Patienten auf die einzelnen Länder verteilen, hat die New York Times in einer Grafik zusammengetragen.

In vier Fällen haben die Ärzte die Krankheit außerhalb Westafrikas diagnostiziert. Drei dieser vier Patienten infizierten sich in westlichen Ländern: eine Krankenschwester in Spanien und zwei Krankenhausmitarbeiter in Dallas. Die beiden Pflegekräfte hatten einen Patienten aus Liberia betreut – den vierten außerhalb Afrikas diagnostizierten Ebola-Fall –, der sich dort infiziert hatte und in den USA verstarb.

Warum nimmt Deutschland Erkrankte auf?

Gilt die medizinische Versorgung in den Herkunftsländern der Infizierten als nicht ausreichend, sucht die WHO nach einem Land, das bereit ist, die Versorgung des Patienten zu übernehmen. Nach eigenen Angaben ist die Organisation mit zahlreichen Einrichtungen in ihren Mitgliedsstaaten in Kontakt. Wie viele oder welche Länder genau angefragt wurden, darüber macht die WHO keine Angaben.

Deutschland ist bislang das einzige Land, das Nicht-Staatsbürger aufgenommen hat. Es handelt sich um einen WHO-Mitarbeiter, der in Hamburg behandelt und mittlerweile geheilt entlassen wurde, einen Arzt aus Uganda, der für eine italienische Hilfsorganisation arbeitet und seit Anfang Oktober in Frankfurt in Behandlung ist, und den Anfang der Woche im Klinikum Sankt Georg in Leipzig verstorbenen Arzt aus dem Sudan, der für die Uno gearbeitet hatte. Zudem gab es mindestens eine weitere Anfrage, doch der Mann aus Sierra Leone starb, bevor er transportiert werden konnte. Nach welchen Kriterien entscheiden wird, in welches Krankenhaus ein Patient gebracht wird, ist nicht klar; die Bundesregierung macht hierzu keine konkreten Angaben.

Laut des deutschen Gesundheitsministeriums sind hierzulande sieben Krankenhäuser für eine Betreuung von Ebola-Patienten ausgerüstet. Demnach gibt es in Hamburg, Berlin, Leipzig, Düsseldorf, Frankfurt am Main, Stuttgart und München Einrichtungen, die Sonderisolierstationen mit insgesamt 50 Betten haben; sie sollen innerhalb von zwei Stunden aufnahmebereit sein. Deutschland sei gut vorbereitet auf Ebola, versichern die Behörden. Doch angesichts der Sicherheitslücken und Fehler, die in Spanien und den USA zu Ansteckungen geführt haben, stellt sich die Frage, ob Deutschland sich vielleicht zu sicher fühlt. 

Ist es aus medizinischer Sicht überhaupt sinnvoll, Ebola-Infizierte auszufliegen?

Noch immer gibt es keine Therapie gegen Ebola, in Europa und den USA genauso wenig wie in Afrika. Doch nach Meinung von Thomas Grünewald, leitender Oberarzt am Klinikum Sankt Georg in Leipzig, lautet die Antwort trotzdem eindeutig: Ja. Als Leiter der Sonderisolierstaion war Grünewald für die Behandlung des Anfang der Woche verstorbenen sudanesischen UN-Mitarbeiters zuständig.

Auch wenn die Ärzte dem 56-jährigen Mann am Ende nicht helfen konnten, geht Grünewald davon aus, dass Ebola-Patienten in westlichen Ländern aufgrund der besseren medizinischen Infrastruktur größere Überlebenschancen haben als in Afrika. Dort fehle es an einfachster medizinischer Ausrüstung. Häufig sei nicht einmal eine Infusionstherapie möglich, um den Flüssigkeitsverlust der Infizierten auszugleichen, die an Magen-Darm-Problemen und Erbrechen leiden, sagt der Arzt.

Zwei weitere Gründe würden dafür sprechen: Zum einen sollte Freiwilligen, die bei humanitären Einsätzen das Risiko einer Ansteckung in Afrika auf sich nehmen, zumindest die Rückkehr in ihre Heimat oder ein Land mit guter medizinischer Versorgung möglich sein, erklärt Grünewald. Zum anderen könnten die Ärzte im Laufe der Behandlung Kenntnisse über experimentelle Therapien und individuelle Krankheitsverläufe sammeln, die in Tier- oder Laborversuchen nicht möglich seien.

Der Patient in Leipzig habe mehrere Substanzen bekommen, die noch in der Erprobung sind, sagt der behandelte Arzt. Welche genau, darüber gibt die Klinik auf Wunsch des Verstorbenen keine Auskunft. "Wir sehen, was wirkt, was sinnvoll ist und was nichts bringt", sagt Grünewald. "Das kommt am Ende auch den Menschen in Westafrika zugute."

Wer wird ausgeflogen – und wer nicht?

Organisationen wie die WHO oder Ärzte ohne Grenzen lassen nur internationale Mitarbeiter ausfliegen, nicht aber die Helfer, die aus den von Ebola betroffenen Ländern selbst stammen. Im Fall von Ärzte ohne Grenzen beispielsweise stellt sich die Verteilung wie folgt dar:

  • 21 Mitarbeiter der Hilfsorganisation haben sich in den vergangenen Monaten mit Ebola infiziert.
  • Zwei von ihnen stammen aus Europa: eine französische Krankenschwester, die nach Paris gebracht wurde und sich wieder erholt hat, und eine norwegische Mitarbeiterin, die sich in Oslo noch in Behandlung befindet. Die übrigen 19 Infizierten sind Einheimische.
  • Zwölf von ihnen sind gestorben, fünf haben sich erholt, zwei Personen werden noch behandelt.

Die Erkrankten auszufliegen liege "jenseits der Möglichkeiten" von Ärzte ohne Grenzen, teilt die Organisation mit. Um eine "Zweiklassengesellschaft" handele es sich aber nicht; vielmehr sollen Infizierte – so sieht das auch die WHO – wenn möglich in ihrem Heimatland behandelt werden, also eine Französin in Frankreich und ein Liberianer in Liberia.