Ebola tötet Tausende in Westafrika, in den USA und Europa erkrankten einzelne Reisende, Helfer und Pfleger. Viele haben ein ungutes Gefühl, denn das Virus gehört zu den tödlichsten Erregern, die die Natur hervorgebracht hat.

Einmal erkrankt, sterben derzeit in Westafrika 70 Prozent der Infizierten. Doch Ebola ist nicht unbesiegbar. Die westlichen Staaten haben lange gezögert, nun beginnen sie, die Seuche gezielt anzugreifen. Doch dieser Kampf kann nur in Westafrika entschieden werden.

ZEIT ONLINE hat die wichtigsten Fakten zum Ausbruch gesammelt.

Außerhalb Westafrikas an Ebola zu erkranken, ist sehr unwahrscheinlich

Das Risiko, sich mit Ebola anzustecken, ist extrem gering. Vor allem für all jene, die nicht in den betroffenen Ländern Westafrikas unterwegs sind. Das liegt auch daran, dass das Virus sich nicht über die Luft verbreiten kann und nur Erkrankte mit Symptomen ansteckend sind. 

Allein die bloßen Zahlen zeigen, wie gering die Ausbreitung im Westen bislang ist. Die Washington Post hat dies für die USA in einer eindrücklichen Grafik verdeutlicht

Drei Staatsbürger unter 310 Millionen haben sich angesteckt. Zwei Krankenschwestern infizierten sich, nachdem sie den Liberianer Thomas Eric Duncan behandelten, den ersten Reisenden, der Ebola unbemerkt ins Land trug. In New York erkrankte ein zurückgekehrter Mediziner.

Es ist unwahrscheinlich, aber nicht auszuschließen, dass Ebola auch auf anderen Kontinenten zu einem Ausbruch führen könnte. Die Idee, dass wir irgendwo absolute Sicherheiten haben, ist eine Illusion", sagt der Risikoforscher Gerd Gigerenzer. "Und das kann gefährlich sein. Wer glaubt, Risiken ließen sich auf null minimieren, verliert die wirklichen Gefahren aus dem Auge."

Auf dem Papier ist etwa Deutschland gut vorbereitet, sollte der erste Infizierte hier ankommen. Doch was ist, wenn Patienten nicht gleich vom Flughafen aus in eine der sieben Kliniken mit Isolierstationen gelangen? 50 Betten gibt es bundesweit, doch was ist, wenn sie belegt sind, was wenn jemand mit Symptomen vor seinem Hausarzt steht? Mediziner, Pfleger und Klinikmitarbeiter in deutschen Krankenhäusern sind vielerorts überlastet, Hygieneregeln werden vernachlässigt, können vergessen werden. Dringend bräuchte das Personal nun Schulungen für den Umgang mit ansteckenden Patienten.

Worauf sich Deutschland einstellen muss, prognostiziert der Epidemie-Experte Dirk Brockmann von der Humboldt-Universität Berlin. Dafür hat er und sein Team mehr als 1.200 Flugverbindungen berücksichtigt. Sein Beispiel: Einer von 100 Infizierten, die etwa in Freetown, der Hauptstadt von Sierra Leone, ins Flugzeug einstiegen, würde in Deutschland landen. Großbritannien oder Frankreich haben ein deutlich höheres Risiko, da ihr Flugverkehr engere Verbindungen nach Westafrika hat.

Den Reiseverkehr einzustellen, wird das Virus nicht stoppen

Hilft es, wenn sich die Welt von Westafrika abschottet? Keineswegs. "Wir müssen versuchen, den Ausbruch in Westafrika zu stoppen. Nur so können wir sicherstellen, dass niemand bei uns mit Ebola einreist", sagt der Virologe Stephan Becker von der Uni Marburg.

Die Modelle seines Kollegen Brockmann zu weltweiten Flugbewegungen zeigen bereits, dass es wenig ausmachen würde, den Luftverkehr einzuschränken. "Das Seuchenwachstum (in Westafrika) wird Flugrestriktionen über kurz oder lang aufheben", sagt Brockmann, der dieses Szenario am Rechner simuliert hat (Brockmann & Schaade & Verbeek, 2014). Menschen, die erkrankt sind, würden über Nachbarländer und andere Reisewege das Virus weitertragen. Sie frühzeitig zu erkennen, wäre kaum möglich, wenn sie heimlich einreisen. Dies könnte zu mehr und nicht zu weniger Ebola-Fällen führen. Eine Ausbreitung ließe sich also höchstens verlangsamen.

Kontrollen an Flughäfen bringen kaum etwas

Einreisekontrollen und vor allem Fiebermessen können die Bevölkerung vielleicht beruhigen und Reisende für Symptome sensibilisieren, Infizierte werden sie aber kaum aufspüren. Die bisherigen Ebola-Fälle außerhalb Afrikas zeigen deutlich, dass die betroffenen Passagiere weder Fieber hatten, noch sich unwohl fühlten, als sie das Flugzeug verließen. Zu diesem Zeitpunkt waren sie also noch nicht krank und damit auch nicht ansteckend. So ist jedes Fieberthermometer, jedes Screening auf sichtbare Symptome machtlos. Reisende aus Westafrika grundsätzlich über Ebola zu informieren ist unter Umständen zielführender; und sie in einzelnen Fällen nach ihren Reisewegen, ihrem Gesundheitszustand und nach Kontakten zu möglichen Infizierten zu befragen. Das ist Teil der Kontrollen, die etwa die USA, Großbritannien und mancherorts auch Frankreich schon eingeführt haben.

An Flughäfen in Guinea, Sierra Leone oder Liberia die Temperatur von Menschen zu ermitteln, kann im Zweifel nützlich sein. Das befürworten auch Seuchenexperten (Bogoch et. al., 2014). Die Wahrscheinlichkeit ist hier höher, dass eine bereits leicht erkrankte Person auffällt, die verreisen möchte. Fieber zu messen ist aber eine lückenhafte und fehlerbehaftete Möglichkeit: Der Virologe Heinz Feldmann erlebte zum Beispiel am Flughafen in Liberias Hauptstadt Monrovia, wie Helfer unter Reisenden Körpertemperaturen von 32 Grad feststellten – Temperaturen, die eher typisch für Leichen oder stark unterkühlte Personen sind.