Was ist Social Freezing?

Bei dieser Methode lassen sich Frauen unbefruchtete Eizellen entnehmen und aus nicht-medizinischen Gründen einfrieren. Die Gründe dafür sind etwa ein fehlender Partner oder Karrierepläne. Die Zellen können nach Jahren bis Jahrzehnten wieder aufgetaut, befruchtet und in die Gebärmutter eingesetzt werden.  

Wie funktioniert das?

Die Frau spritzt sich etwa zehn bis 14 Tage lang Hormone, um ihre Eierstöcke anzuregen. Dadurch beginnen mehr Eizellen zu reifen, als es ohne Hormonbehandlung der Fall wäre. Anschließend werden die Zellen unter einer kurzen Narkose vaginal entnommen. "Gut sind mindestens zehn Zellen, besser wären 15", sagt Frank Nawroth, Spezialist für Kinderwunsch und Gynäkologische Endokrinologie in der Hamburger Privatpraxis amedes, die mit der Methode Geld verdient. "Je mehr Zellen eingefroren werden, desto größer die Chance hinterher, tatsächlich ein Kind zu bekommen." Die Eizellen werden nach der Entnahme in flüssigem Stickstoff schockgefrostet, weil diese Methode sehr schnell funktioniert. Verhindert werden dadurch auch Kristallbildungen, durch die die Zellen zerstört werden können. Anschließend werden die Zellen zur Kühlung bei minus 196 Grad eingelagert.

Wie groß sind die Chancen, dass aus der Eizelle tatsächlich ein Kind entsteht?

Von zehn Zellen überleben im Schnitt acht bis neun den Auftauprozess, sagt Nawroth. Diese Zellen müssen dann direkt mit männlichem Spermium befruchtet werden – dabei liegt die Befruchtungsrate durchschnittlich bei 60 bis 70 Prozent. Dann werden sie der Frau eingesetzt. "Die Wahrscheinlichkeit, dass sich eine befruchtete Eizelle in der Gebärmutter einnistet, liegt dann noch einmal bei acht bis zehn Prozent."

Woher kommt das Einfrieren von Eizellen?

Ursprünglich war die Eizell-Konservierung für junge Krebspatientinnen gedacht: Sie können sich vor einer Chemotherapie und Bestrahlung Eizellen entnehmen lassen, um später genetische Schäden eines Kindes auszuschließen.

Für welche Frauen kommt diese Methode in Frage?

Grundsätzlich für jede Frau. "Entscheidend ist das biologische Alter der zur Entnahme kommenden Eizellen", sagt Sören von Otte, Leiter des Universitären Kinderwunschzentrums Kiel. Das sei in der Praxis die wichtigste aller planbaren Voraussetzungen. Die besten Ergebnisse gäbe es, wenn die Frau bei der Entnahme etwa 25 Jahre ist. Denn: "Ab Ende 20 reduziert sich die Eizellreserve signifikant", sagt der Mediziner. Zudem nimmt mit zunehmendem Alter die Qualität der Eizellen ab. "Idealerweise sind die Frauen jünger als 35", sagt auch sein Kollege Nawroth.

Wie lange könne die Zellen eingefroren werden?

Bei den niedrigen Temperaturen "macht es keinen besonderen Unterschied ob nun fünf oder 15 Jahre", sagt Gesundheitsökonom Sebastian Ellinghaus, der auch Geschäftsführer der Internetplattform ProFertilität ist. Entscheidender seien die Einfrier- und Auftautechniken. Je älter die Frau bei der Befruchtung ist, desto höher ist allerdings das Risiko für Komplikationen während der Schwangerschaft. Auch erhöht sich mit zunehmendem Alter die Gefahr von Fehlgeburten und Behinderungen des Kindes.

Wie teuer ist die Methode?

Je nach Anbieter variieren die Preise. So berechnet etwa amedes je nach Medikamentenbedarf für das Einfrieren und die Lagerung über sechs Monate zwischen 3.000 und 3.500 Euro. Nach Ablauf dieser ersten sechs Monate kostet jede weitere Lagerung pro Monat 180 Euro. Das Kinderwunsch Zentrum an der Oper in München berechnet pro Stimulationszyklus 2.000 Euro zuzüglich der Kosten für das Einfrieren, die Lagerung und die Medikamente. Wie viele Zyklen notwendig sind, um die entsprechende Zahl von Eizellen zu generieren ist von Frau zu Frau unterschiedlich. 

Die Krankenkasse steuert kein Geld bei, jede Frau muss die Prozedur selbst zahlen. Wird die Eizelle später befruchtet, um sie einsetzen zu können, fallen hier auch Kosten an. Sie liegen nach Angaben von Krankenkassen bei etwa 2.000 Euro.

Gibt es Risiken für das Kind, das aus einer gefrorenen Eizelle entstanden ist?

Das ist bisher kaum zu beurteilen, weil langfristige Daten fehlen.

Gibt es Risiken für die Frau?

Der an der Berner Universitätsklinik tätige Gynäkologe und Reproduktionsmediziner Michael von Wolff sagt, für die Frau gebe es ein geringes medizinisches Risiko. Theoretisch könne es bei der Entnahme der Eizellen zu einer Blutung oder einer Infektion kommen. Vor einigen Jahren sei es häufig vorgekommen, dass die Hormonbehandlung zu einer Überstimulation der Eierstöcke geführt habe. Diese könne dazu führen, dass sich Wasser im Bauch ansammelt. Bei den heutigen Behandlungen sei dies aber quasi nicht mehr der Fall.