Als Ebola ihren Körper fast zugrunde richtete, klammerte sich Fatimata Gaima ans Leben. Sie musste gesund werden. Für ihr dreijähriges Kind, das bereits den Vater und ein Geschwisterchen verloren hatte. Doch während sie sich allmählich erholte, brach bei ihrem Kind die Seuche aus. Es starb. "Ich lerne, ein neues Leben zu leben", erzählte sie auf einem Treffen der Ebola-Überlebenden in Kenema, Sierra Leone. "Das Haus ist so leer."

Bisher haben sich fast 18.500 Menschen in Guinea, Liberia und Sierra Leone mit Ebola infiziert, etwa 40 Prozent von ihnen überstehen die Seuche. Jede Entlassung aus einem Behandlungszentrum ist ein Hoffnungsschimmer, der gefeiert wird. Doch zu Hause ist für viele nichts wie zuvor. Ihr Hab und Gut wurde verbrannt. Ein großer Teil der Familie ist tot. Die Nachbarn meiden sie. Händler lehnen ab, ihnen etwas zu verkaufen. Nur ein Viertel der Bevölkerung würde diese Menschen nicht diskriminieren, ergab eine Umfrage des Gesundheitsministeriums von Sierra Leone, von Unicef und der amerikanischen Seuchenbehörde CDC im August.

Nach der Krankheit stigmatisiert

In Sierra Leone hörten die Verantwortlichen den ehemaligen Patienten zu. Im Herbst begann ein Programm zur Reintegration, schreibt ein Team um Tina Davies vom Wohlfahrtsministerium in Sierra Leone im CDC-Wochenbericht MMWR. Ähnliche Initiativen gibt es in Liberia. Vorbild ist dort eine Gummifabrik, die sich nicht nur um das Schicksal der eigenen Angestellten kümmert. Auch Hilfsorganisationen versuchen, die Überlebenden so gut es geht zu begleiten – soweit die Behandlungszentren nicht ohnehin an der Belastungsgrenze sind. "Leider gibt es das nicht flächendeckend", sagt der Infektiologe Christian Kleine, der im September und Oktober für "Ärzte ohne Grenzen" in Monrovia war.

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In Kenema sei das Stigma weitgehend überwunden, sagt Joachim Gardemann, Kinderarzt und Leiter des Kompetenzzentrums Humanitäre Hilfe der Fachhochschule Münster. Fünf Wochen war er der Direktor des DRK-Ebola-Behandlungszentrums in Kenema. "Drei Tage vor der Entlassung eines Patienten wird das Wohlfahrtsministerium benachrichtigt", berichtet er. Geschulte Sozialarbeiter aus der Region bereiten dann die Nachbarschaft auf die Rückkehr vor, werben gemeinsam mit traditionellen oder religiösen Anführern um Akzeptanz und beantworten ängstliche Fragen. Für Ebola-Waisen suchen sie nach Verwandten, die sie aufnehmen würden. "Das ist nicht selbstverständlich", sagt Gardemann. Anders als bei Kriegswaisen, die ohne Weiteres in die Großfamilien integriert werden.

Paket für den Neustart

Wenn der Bluttest zwei Mal negativ war, wird den Überlebenden ein Paket für den Neustart geschnürt: Matratze und Bettzeug, Küchengeschirr, Reis und Öl, Hygieneartikel und Handtücher, Kleidung und Sandalen, eine Kerosinlampe, Vitamine, Bargeld. Die Kinder bekommen ein Spielzeug, die Männer einen Kondom-Vorrat. Sie werden aufgeklärt, dass das Ebola-Virus bis zu drei Monate im Sperma nachweisbar sein kann. Ein offizielles Dokument bescheinigt ihnen, dass sie frei von Ebola sind. Ein Foto beweist, dass ihnen die Ärzte oder Schwestern im Behandlungszentrum nun ungeschützt die Hand reichen. So ausgerüstet werden sie bis zu ihrer Haustür gefahren.