Die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) rät in Deutschland vom Kauf und der Verschreibung von insgesamt 52 Medikamenten ab. Auf ihrer Internetseite veröffentlichte die Behörde eine Liste mit allen betroffenen Mitteln. Anlass sind Zweifel an den Studien zur Zulassung der Medikamente.  Insgesamt sind etwa 700 Zulassungen in Europa betroffen. Ausnahmen sollen laut EMA für Arzneimittel gemacht werden, die lebensnotwendig für die Patienten sind, weil keine Alternativen verfügbar sind. Bei den betroffenen Medikamenten gebe es keine Hinweise auf Gesundheitsrisiken oder die Unwirksamkeit der Medikamente. 

Insgesamt haben die Wissenschaftler etwa 1.000 Zulassungen überprüft. Die zugrunde liegenden Studien waren von 2004 bis 2014 von der indischen Firma GVK Bio angefertigt worden. Das Unternehmen arbeitet im Auftrag vieler großer Pharmakonzerne weltweit.

Hintergrund ist der Vorwurf, bei der Studiendurchführung und der Zuverlässigkeit der Daten seien schwere Mängel festgestellt worden. Solche Studien sind notwendig für die Zulassung von Nachahmer-Medikamenten (Generika). GVK Bio hatte die Vorwürfe zurückgewiesen.

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hatte im Dezember für zahlreiche deutsche Arzneimittel das Ruhen der Zulassung angeordnet. Nun kommen weitere dazu. Der Präsident des Bundesinstituts, Karl Broich, begrüßte die Empfehlung der EMA: "Es ist gut, dass wir jetzt auch auf europäischer Ebene ein deutliches Signal für die Einhaltung unserer hohen ethischen und medizinischen Standards für klinische Prüfungen setzen", sagte er.

Patientinnen und Patienten, die im Besitz von derzeit suspendierten Arzneimittel seien, sollten diese nicht eigenmächtig absetzen, sondern sich an ihren Arzt oder Apotheker wenden, schrieb das BfArM.