Im Universitätsklinikum Kiel ist ein weiterer Patient gestorben, der den gefährlichen multiresistenten Erreger hatte. Damit erhöhte sich die Zahl der gestorbenen Patienten, die zusätzlich zu ihren teils schweren Erkrankungen auch das Bakterium Acinetobacter baumannii trugen, auf zwölf. Insgesamt wurden an der Klinik nun 31 Patienten positiv auf das gegen fast alle Antibiotika resistente Bakterium getestet, sagte der Vorstandsvorsitzende des Klinikums, Jens Scholz.

Die Gewerkschaft ver.di warf dem Klinikum Hygieneverstöße infolge von Personalmangel vor. Fachleute aus Frankfurt am Main wurden als Verstärkung an das Universitätsklinikum geschickt. Die beiden Spezialisten für den multiresistenten Keim nahmen am Sonntagabend die Arbeit auf. Sie werden zunächst Gespräche mit Mitarbeitern führen und sich ein gründliches Bild machen, sagte ein Kliniksprecher.

Aus Sicht von ver.di sind die tragischen Umstände in Kiel nicht so überraschend, wie es die Klinikleitung darstelle. 2013 seien vom Pflegepersonal 1.864 sogenannte Gefährdungsanzeigen aus der Pflege gestellt worden. Das seien bundesweite Spitzenwerte. Auf Personalversammlungen – zuletzt am 12. Januar – sei auch auf eine dramatische Arbeitsverdichtung gerade auf den betroffenen Stationen hingewiesen worden. Personal- und Zeitmangel führten zu Verstößen gegen Hygienevorschriften.  

ver.di fordert mehr Personal für Uniklinik

Der Vorsitzende des Berufsverbandes Deutscher Hygieniker, Klaus-Dieter Zastrow, sprach ebenfalls von Hygienemängeln als Ursache. "Wie soll sich so ein Keim sonst weiterverbreiten?" ver.di forderte sofortige Konsequenzen. Der Sparkurs müsse beendet werden, der geplante Personalabbau sei unverantwortlich, das Klinikum brauche mehr qualifiziertes Personal. Das gelte nicht nur für die Pflege, sondern auch für Reinigungspersonal. 

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe zeigte sich offen für Diskussionen über Tests bei Risikopatienten. "Der Kieler Fall muss auch Anlass sein, erneut zu prüfen, inwieweit das Screening angepasst werden muss", sagte der Minister. Er wies darauf hin, dass den Krankenkassen bereits "gesetzlich aufgegeben" worden sei, durch Pilotprojekte zu erproben, wie Patienten vor geplanten Aufenthalten in Kliniken auf bestimmte gefährliche Keime untersucht werden könnten. Das soll ein Einschleppen verhindern.

Es gibt bereits entsprechende Empfehlungen des bundeseigenen Robert-Koch-Instituts (RKI), in dem Tests etwa für Patienten nahegelegt werden, die aus Ländern mit einem bekanntermaßen endemischen Auftreten resistenter Keime verlegt werden. Einige deutsche Krankenhäuser gehen nach eigenen Angaben bereits darüber hinaus und testen auch bei anderen Risikogruppen. All das ist freiwillig.

Betroffene Patienten sind strikt isoliert

Acinetobacter baumannii ist der Deutschen Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie (DGHM) zufolge ein gut bekannter Auslöser für Krankenhausinfektionen. Ihr zufolge sind Ausbrüche generell trotz umfassender Hygienemaßnahmen nicht vollständig auszuschließen und auch bei optimalen Gegenmaßnahmen schwer einzudämmen. Gegen den Verdacht von Fehlern oder Hygienemängeln nahm die DGHM das UKSH in Schutz. Den vorliegenden Informationen zufolge täten die Kollegen alles Erforderliche, erklärte die Fachgesellschaft.

Schleswig-Holsteins Krankenhausgesellschaft hat ebenfalls keine Hinweise auf Hygienefehler oder andere Defizite in diesem Bereich am Klinikum. Auch das Kieler Gesundheitsamt als zuständige Behörde hatte der Klinik nach Bekanntwerden des Ausbruchs am Freitag bescheinigt, alle nötigen Schritte eingeleitet zu haben. Betroffene Patienten werden strikt isoliert, um eine weitere Verbreitung des Keims zu erschweren. Die befallenen Stationen nehmen keine neuen Patienten auf, darüber hinaus wurden Desinfektionsmaßnahmen eingeleitet. Krankenhaus und Behörden stehen nach eigenen Angaben darüber hinaus in ständigem Kontakt.