Schwache Herzen, defekte Nieren, Hirnschäden – das sind nur drei mögliche Folgen von bislang unheilbaren Erbkrankheiten, die Mütter an ihre Kinder weitergeben können. Um sie zu vermeiden, setzen Mediziner in Großbritannien auf gleich zwei neue Methoden der Reproduktionsmedizin. Doch die sind umstritten: Mit ihnen würden Kinder aus dem Reagenzglas drei statt herkömmlich zwei genetische Eltern haben.

Zudem verstößt das Verfahren derzeit gegen das britische Embryonengesetz. Am Dienstagnachmittag wird das Unterhaus auf Grundlage eines wissenschaftlichen Berichts des Parliamentary Office of Science and Technology (POST) nun entscheiden, ob sich das ändern soll. Ab Herbst 2015 könnten die Methoden dann angewendet werden. Die Befürworter argumentieren, mit dem Verfahren ließen sich Leben retten. Kritiker hingegen fürchten, eine Legalisierung mache den Weg frei für sogenannte Designer-Babys, Kinder also, deren Eigenschaften im Labor nach den Wünschen der Eltern zusammengebastelt würden. Betroffen von der Gesetzesänderung wären bislang allerdings nur wenige Tausend Menschen. Und es ginge um konkrete Erbkrankheiten.

Das Prinzip des Verfahrens sei so ähnlich, wie den Akku in einem Laptop zu wechseln, sagen Wissenschaftler: defektes Teil raus, funktionierender Energie-Nachschub rein. Das defekte Teil sind in diesem Fall die Mitochondrien, die Kraftwerke der Zelle. Auch sie enthalten Erbinformation in Form von DNA, die – wenn auffällig verändert – zu Krankheiten führen kann.

Eins von 6.500 Kindern ist betroffen

Jede Zelle des Körpers enthält die vollständige DNA eines Menschen und damit den kompletten Bauplan für alles, was ihn am Leben hält. 99 Prozent der Informationen liegen im Zellkern, sie bestimmen etwa, welche Augenfarbe jemand hat. Der geringe Rest liegt außerhalb in den Mitochondrien. Diese mitochondriale DNA wird – im Gegensatz zur Zellkern-DNA – ausschließlich von der Mutter vererbt.

Trägt sie an dieser Stelle einen Gendefekt in sich, wird sie ihn an das Kind weitergeben. Das kann bei dem Nachwuchs zu leichten Beschwerden führen, etwa Diabetes, oder auch lebensbedrohlich sein. Häufig sind von solchen Defekten Teile des Körpers betroffen, die viel Energie brauchen, wie das Gehirn, die Leber oder das Herz. Epilepsie oder chronische Herzfehler sind mögliche Folgen. Für derlei ernsthafte mitochondriale Erkrankungen gibt es derzeit keine Behandlungsmöglichkeit.

Eins von 6.500 Kindern würde jährlich mit einer dadurch ausgelösten schweren Krankheit geboren, heißt es in einem Bericht des Nuffield Council on Bioethics. Den aktuellsten Daten zufolge trägt in Großbritannien eine von 3.500 Frauen veränderte mitochondriale DNA in sich, die Kindern womöglich schaden könnten (Brown, Herbert et al, 2006).

Diese Frauen haben bislang nur zwei Möglichkeiten, ein gesundes Kind zu bekommen: eine Adoption oder eine Eizellenspende. Genetisch verwandt ist die Frau mit ihrem Kind dann nicht mehr, für viele ist das eine Belastung. Die Mitochondrien-Spende würde nun genau das leisten, heißt es in dem POST-Bericht.