Zunächst ist es nur ein kleiner Fleck auf der Haut; manchmal schwarz und mit ausgefranstem Rand, manchmal hell, etwas geschwollen und verkrustet – Hautkrebs. Er tritt je nach Tumorart unterschiedlich auf. Mehr als 250.000 Menschen befällt er in Deutschland jährlich neu. Rund 1,5 Millionen Menschen waren 2012 von der Erkrankung betroffen. Sie kann genetische Ursachen haben. In vielen Fällen führt jedoch UV-Strahlung zu bösartigen Veränderungen der Haut oder steigert zumindest das Risiko dafür erheblich.

Als natürlicher Schutz vor krankhaften Hautveränderungen galt bislang unter anderem der Farbstoff Melanin, der für die Bräune nach dem Sonnen verantwortlich ist. Je brauner jemand ist, desto seltener bekommt er einen Sonnenbrand. Auch seien die DNA-Schäden in Hautzellen geringer, so die Auffassung. Genau daran aber rüttelt jetzt eine Studie aus den USA, die im Magazin Science erschienen ist (Brash et.al.). Demnach soll Melanin aktiv an der Krebsentstehung beteiligt sein und Schäden im Erbgut noch Stunden nach dem Sonnenbad fördern; zumindest in Mäusen.

Das Pigment entsteht in speziellen Zellen, den Melanozyten. Die dringen mit Fortsätzen, ähnlich wie Tentakel, in die oberste Hautschicht und geben das Melanin an andere Zellen ab. Es legt sich dort um den Zellkern, wandelt UV-Strahlung in Wärme um, sodass die Haut weniger schnell verbrennt und schützt so die DNA im Kern. An dieser Funktion ändert sich auch mit den neuen Erkenntnissen nichts.

Melaningehalt fördert Krebs im Laborexperiment

Wissenschaftler der Yale School of Medicine haben jedoch entdeckt, dass Erbgutschäden durch UV-Strahlung in Melanin-haltigen Zellen noch lange nach der Lichteinwirkung auftreten. In den Melanin-produzierenden Zellen traten DNA-Schäden genauso auf, wie in anderen Hautzellen, die das Melanin nur von den Melanozyten übernehmen, aber nicht selbst herstellen. Das zeigte sich als die Forscher Mäuse- und Menschen-Melanozyten im Reagenzglas sowie lebende Mäuse mit UV-A-Licht bestrahlten. Die Strahlung, die auch aus den Leuchtröhren der Solarien kommt, zählt ebenso wie UV-B-Strahlung zum krebserregenden Licht. Während die gefährliche Wirkung des UV-B schon lange bekannt ist, gehen Forscher erst seit Kurzem davon aus, dass auch UV-A-Strahlung schädlich ist. Die Studie liefert hierfür einen Beweis.

Das Ausmaß der Schäden bemaßen die Autoren anhand der Menge von Cyclobutan-Pyrimidin-Dimeren (CPD). Sie entstehen, wenn sich DNA krankhaft verändert und "sind ganz klassisch für DNA-Schäden, die durch UV-Licht erzeugt werden", sagt Mario Fabri, Dermatologe an der Universität Köln. "Über Jahre können sie zu Hautkrebs führen."

Um ihnen in den Stunden nach dem Sonnenbad entgegenzuwirken, empfehlen die Autoren Vitamin E. Dermatologen wissen um dessen Fähigkeiten: "Vitamin E dringt gut in die Haut ein und ist dafür bekannt, den DNA-Schäden durch UV-Strahlung entgegenzuwirken", sagt Volker Steinkraus, Leiter des Dermatologikums Hamburg. Ob die Erkenntnisse der Studie für lebende menschliche Zellen gelten, konnten die Forscher jedoch nicht zeigen. Somit kann die Sonne auf uns Menschen ganz anders wirken, als auf Mäuse. Experten erstaunt das Ergebnis dennoch – dass UV-Strahlung noch Stunden nachwirkt, hatten Mediziner selbst im Maus-Modell nicht für möglich gehalten.