Würde ich mit Frauen schlafen, dürfte ich Blut spenden. Ich schlafe aber nicht mit Frauen. Das macht meine Körperflüssigkeit und die von Männern, die mit Männern schlafen, per se zur potenziellen Gefahr. Könnte ja Aids drin sein.

Seit Jahrzehnten gilt nicht nur in Deutschland bi- oder homosexuelles Männerblut als böse. Natürlich hat Blut kein Geschlecht, und die Gründe, weshalb mir eine Spende schon mal vorsorglich verweigert wird, sind nicht frei erfunden. Sie sind aber längst nicht so eindeutig. Denn wie es um mein Blut steht, wird nicht dadurch bestimmt, mit welcher sexuellen Orientierung ich geboren wurde.

Dies hätte nun der europäische Gerichtshof klären können. Doch er hat sich aus der Affäre gezogen, und die Klage, des Franzosen Geoffrey Léger wieder zurück an das Verwaltungsgericht in Straßburg geschickt. Nun müssen die dortigen Richter erneut prüfen. Ein absurdes Hin und Her.

Seinen Anfang nahm die Geschichte auf den Tag genau vor sechs Jahren. Am 29. April 2009 verweigerte ein Arzt im französischen Metz Léger die Blutspende. Weil er eine sexuelle Beziehung zu einem Mann gehabt habe. Punkt.

Der Arzt berief sich auf das, was grundsätzlich gilt: Männer, die mit Männern schlafen, haben ein höheres Risiko sich den Aids-Erreger einzufangen als heterosexuelle Menschen. Damit kommt ihr Blut pauschal ebenso wenig infrage wie das von Drogenabhängigen, Häftlingen und Sexarbeitern – den anderen Risikogruppen.

Damit wird schwulen und bisexuellen Männern unterstellt, sie würden ständig mit dem nächstbesten ins Bett springen. Ist aber nicht unbedingt so, ebenso wenig wie unter Heterosexuellen.

Deshalb deuten selbst die Europarichter in ihrem kaum als solches zu bezeichnenden Urteil an: Wenn es möglich ist, die Sicherheit von "schwulem" gespendeten Blut zu garantieren, dann dürften Männer, die mit Männern Sex haben, sich ihres auch abnehmen lassen.

Genau das ist theoretisch möglich. Spenderblut wird längst sicher und früh auf das Erbgut des Aids-Virus getestet. Ob mein Blut gefährlicher ist als das eines anderen Menschen, entscheidet schlicht mein Sexualverhalten. Das Risiko ist geringer, wenn ich seit Jahren geschützten Verkehr in einer festen Partnerschaft habe. Es ist größer, wenn ich ständig neue Sexbekanntschaften habe. Das gilt übrigens für alle Menschen.

Der Unterschied ist nur: Ich werde gar nicht erst danach gefragt, sondern gelte – weil schwul – automatisch als promiskuitiv. Das ist so, als sei jede Frau, die sich sexy kleidet, automatisch eine Prostituierte.