Nur ein paar kleine rote Punkte stechen auf dem Grippe-Atlas des Robert-Koch-Institutes noch hervor (RKI). Sie stehen für stark erhöhte "Aktivität akuter respiratorischer Erkrankungen" – Krankheiten also, die die Atemwege befallen, wie Erkältungen und Grippe. Die meisten Regionen der Deutschlandkarte leuchten aber schon grün bis blau, für normale bis keine Aktivität.

Die schlimmste Phase der Grippewelle ist also überstanden. Zwar können sich vereinzelt noch Menschen anstecken, doch die Zahl der Erkrankten geht bereits deutlich zurück. Über 66.000 Menschen haben sich nach Erfassungen des RKI in dieser Saison mit dem Influenza-Virus infiziert. Die tatsächliche Zahl dürfte höher liegen, denn erfasst werden nur Fälle, die im Labor nachgewiesen wurden.

Nach einer Viruserkrankung baut der Körper Abwehrmechanismen auf, die künftig verhindern, dass ihn der gleiche Erreger erneut infiziert. Eine überstandene Maserninfektion bedeutet etwa lebenslangen Schutz gegen die Erkrankung. Wie kommt es aber, dass Tausende jedes Jahr neu an Grippe erkranken oder sich zumindest erkälten? Und warum können Impfungen der Grippe vorbeugen, nicht aber einer Erkältung?

Die Oberfläche definiert das Virus

Die Antwort liegt in der Beschaffenheit der verschiedenen Erreger. Für die Grippe ist der Orthomyxovirus verantwortlich. Der Erreger tritt als einer der drei Typen A, B oder C auf, wobei der C-Typ für Menschen harmlos ist. Die Virentypen unterscheiden sich anhand zweier Eiweiße, die auf ihrer Oberfläche sitzen – dem Hämagglutinin (H) und der Neuraminidase (N). Von diesen Eiweißen gibt es wiederum verschiedene Varianten: 16 verschiedene Hämagglutinine und neun Neuraminidasen sind heute bekannt.

Influenza-A-Viren werden nach Typ und Subtyp benannt. Das Virus der Schweinegrippe trägt beispielsweise die Bezeichnung A (H1N1). Vom Typ B machen seit Jahren nur zwei genetisch unterschiedliche Arten krank – die Yamagata- und die Victoria-Linie.

Das Hämagglutinin und die Neuraminidase setzen während der Infektion jeweils entscheidende Vorgänge im Körper in Gang. Das Hämagglutinin wird dem Virus zum Verhängnis. Das Immunsystem erkennt das Eiweiß als fremd und greift es samt Virus an. Aus dieser Immunantwort resultieren später Antikörper, die uns vor genau dem Erregertyp beschützen, der uns krank gemacht hat.

Die Neuraminidase dagegen hilft dem Virus, sich zu vermehren. Sie sitzt auf seiner Oberfläche und wirkt wie ein Schlüssel, mit dessen Hilfe er sich Zugang zu den Körperzellen verschafft. Nur dort kann er sich vermehren. Anschließend schleust die Neuraminidase auch die zahlreichen Klone des Virus wieder heraus, damit sie neue Zellen befallen. Antivirale Medikamente richten sich gegen diesen wichtigen Eiweiß-Baustein.