Lesen Sie hier die englische Fassung des Textes.

Martha Fernback war ein süßes Mädchen. Dunkle Locken, große hellblaue Augen, zierliche Statur. Auf Fotos im Netz kuschelt sie sich an ihre Mutter, lächelt mit Blumen im Haar in die Kamera oder streichelt ihr Kaninchen. Am 20. Juli 2013 starb Martha im Alter von 15 Jahren an einer Überdosis MDMA. Die junge Britin war nicht abhängig, sie wollte das Zeug zum ersten Mal mit ihren Freunden ausprobieren. Sie recherchierte im Internet, kaufte sich wohl besonders teuren Stoff. Doch das Pulver war ungewöhnlich hoch dosiert, es brachte Marthas Herz zum Stillstand.

Solche Berichte machen Eltern Angst. Was, wenn das eigene Kind herumexperimentiert? Zwanghaft wollen sie ihre Söhne und Töchter von Drogen fernhalten. Peinlich genau achten sie darauf, in welchen Kreisen sich der Nachwuchs herumtreibt. Mittags nach der Schule prüfen sie den Atem auf Zigarettengeruch. Und beim Abendessen wettern sie gegen Drogen. 

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Reuters
30.000-Mal high

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Der Global Drug Survey ist die größte Umfrage unter Drogennutzern. Ein Drittel aller Befragten kamen aus Deutschland. Wer mitgemacht hat?

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Danny Moloshok/Reuters
Vor allem unsere Leser

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Die Daten sind nicht repräsentativ, aber hilfreich: Wie geht es Ihnen mit Drogen? Das Ziel: Wer weiß, was er tut, lebt ungefährlicher.

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Richtige Antwort. Zwar kommt es bei allen Drogen auf die Dosis an. Crack rangiert aber ganz oben, wenn es um gesundheitliche Schäden für den Einzelnen geht. Es macht abhängig und zerstört Nervenzellen. Wer Koks schnieft, ist auch nicht besser dran: Geschmacks- und Geruchsnerven verkümmern, Gefäße werden geschädigt. Auf Dauer kommen Organschäden hinzu, auch Psychosen sind mögliche Folgen.

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Richtig! So viele Menschen würden ihren Konsum im nächsten Jahr gerne reduzieren. Jeder zehnte Alkoholtrinker konnte übrigens mindestens einmal pro Monat nicht aufhören zu trinken. 13 Prozent bereuen ihr Trinkverhalten regelmäßig.

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Die einen schweigen, aus Angst ihre Kinder auf Ideen zu bringen, die diese noch gar nicht selber hatten. Die bunten Pillen könnten ja plötzlich interessant werden. Dabei ist es eine naive Vorstellung, dass die Kinder mit verschlossenen Augen herumlaufen und  in den Pausen nur über die letzte Klavierstunde sprechen.

Andere erzählen ihren Kindern Gruselgeschichten, um zu verhindern, dass sie jemals Drogen anrühren. Und zwar solange, bis ihre Kinder sie nicht mehr ernst nehmen und sich alleine auf die Suche machen nach diesen aufregenden Erfahrungen, die sie von ihren Freunden kennen. 

Sie nehmen Drogen – wir wissen, welche: Klicken Sie hier für die Ergebnisse des ZEIT-ONLINE-Drogenberichts 2016.

Dabei könnten Eltern ein Bewusstsein schaffen, sie könnten aufklären – am besten so früh wie möglich. Natürlich über Risiken und strafrechtliche Folgen, aber auch ganz rational über Drogenwirkung. Und wann? "Sobald die Kinder in der Lage sind, zu verstehen, um was es geht", sagt der britische Psychopharmakologe David Nutt

Nur dazu müssen Eltern zunächst verstehen, um was es geht. Sie können nicht über jede Droge umfassend Bescheid wissen, niemand kann das. Aber über die Basics informiert zu sein, kann schon helfen. Ob Cannabis gefährlicher ist als Alkohol, ob Kokain und Crystal Meth sofort süchtig machen – Informationen wie diese finden Eltern etwa auf den Seiten der Elternberatung bei Suchtgefährdung und Abhängigkeit von Kindern und Jugendlichen, kurz Elsa, der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung oder bei den Drug Scouts.

Wichtig: ruhig bleiben

Diese Informationen können Eltern Vorurteile nehmen und Angst abbauen, die zu unnötigen Familiendramen führt. Die Devise lautet: ruhig bleiben. Die britische Beratungsseite talk-to-frank rät, sich auf Tatsachen zu konzentrieren: "Für die meisten jungen Menschen ist Drogengebrauch kein normaler Alltagszustand. Viele junge Menschen, die Drogen ausprobieren, nehmen sie daraufhin nicht regelmäßig. Drogen bringen zwar ernste Risiken mit sich, aber die meisten, die Drogen ausprobieren, tragen keine schweren Schäden davon." Und der Psychologe Peter Tossmann warnt davor, alle Rauschmittel gleichzusetzen: "Raucht ein junger Mensch gelegentlich Cannabis, sollten Eltern ihm nicht den ersten Schritt in die Heroinabhängigkeit prophezeien. Das macht sie unglaubwürdig."  

Aber auch wenn aus dem bisschen Kiffen ein regelmäßiger Konsum wird, sollten Eltern nicht überreagieren und ihr Kind nicht unter Druck setzen. Im kürzlich erschienen Buch High Sein raten die Autoren dazu, herauszufinden, welche Motive zugrunde liegen: Konsumiert das Kind zum Spaß, zur Entspannung oder zur Problembewältigung? Greift der Sohn oder die Tochter zu Drogen, um eine schöne Zeit zu haben, sollten sich die Eltern die positiven Rauscherlebnisse anhören. Die Kinder sollen zwar spüren, dass ihre Eltern den Konsum nicht unterstützen, dass sie aber dennoch mit ihnen darüber sprechen können. Ist der Drogenkonsum nur das Symptom anderer Schwierigkeiten, sollten sich Eltern um das Problem kümmern, statt gegen den Rausch zu kämpfen.