Im Hygieneskandal an der Uniklinik Mannheim wird das Verhältnis zwischen Klinikleitung und Ärzten zunehmend angespannter. Wieder hat das Krankenhaus Gesetze missachtet und in der Reinigung steriler Instrumente versagt. Das belegen interne Dokumente, die der Funke-Mediengruppe vorliegen. 

Die Vorgeschichte: Von 2007 bis Oktober 2014 operierte die Uniklinik Mannheim an Hygienegesetzen vorbei. Das Krankenhaus war nicht in der Lage, Skalpelle, Scheren und Pinzetten vorschriftsmäßig zu reinigen. Zu diesem Schluss kommt eine unabhängige Expertenkommission, die Abläufe in dem 1.350-Betten-Haus untersucht hat. Die Gutachter stellen fest: Die Mannheimer Klinikleitung kannte die Gefahr, tat aber nichts dagegen – aus Kostengründen, trotz mehrfacher Warnungen und konkreter Hinweise auf "eine direkte Patientengefährdung". Die potenziellen Opfer sind bis zu 350.000 Patienten, die binnen sieben Jahren unter Messer kamen, an denen schon mal Blut, Haare oder Gewebereste, einmal auch eine tote Fliege klebte. 

Als 80 Prozent der maroden OP-Bestecke verschrottet waren und der externe Dienstleister Orgamed die Sterilisation übernahm, tat die Klinik so, als sei der Spuk vorbei. Doch am 27. Mai entdeckten Prüfer des Regierungspräsidiums Karlsruhe einen neuen Gesetzesverstoß. Für das Verfahren zur Aufbereitung der OP-Bestecke fehlte die schriftliche Freigabe – eine Missachtung der Medizinproduktebetreiberverordnung. Als der Mangel am Tag darauf immer noch nicht behoben war, wurde "die Sperrung der aufbereiteten Medizinprodukte verfügt", so die Behörde. Die Klinik habe "daraufhin unverzüglich" alle Instrumente zurückgerufen.

Den Rückfall in alte Zeiten verkauft das Krankenhaus als Schritt nach vorn. Man sei aus freien Stücken tätig geworden. Zur Sperrung der OP-Bestecke durch das Regierungspräsidium heißt es: "Eine entsprechende Verfügung hat es nicht gegeben." Sichtbarer Schmutz sei diesmal auch nicht aufgetaucht in den Bestecken, "weder Haare noch Flusen", behauptet die Klinik auf Anfrage. Dass das nicht stimmt, wissen mindestens drei Dutzend Angestellte aus der Uniklinik, der Medizinischen Fakultät und dem Orgamed-Team. Sie alle wurden vom Geschäftsbereichsleiter Zentrale Klinische Einrichtungen, Dr. Christoph Klein, über die tatsächliche Lage informiert. Schriftlich. Unter der Betreffzeile "Rückruf Instrumentarium" warnte Klein vor neuem Dreck im OP-Besteck: "Im Rahmen der Aufbereitung sind Flusen aufgefallen."

Dass die Klinik diese unappetitlichen Rückschläge unter den Teppich kehrt, sorgt für Unmut im Hause. "Ich bin erstaunt, dass die Geschäftsführung jetzt die Flusen abstreitet, über die Herr Dr. Klein uns am 28.05. mit der Geschäftsführung im Verteiler unterrichtet hat", wundert sich einer aus dem großen Verteilerkreis und bezweifelt die Integrität der Klinikleitung: "Was soll man da noch glauben?" Behörde und Klinik glaubten jedenfalls, das Haar sei während der Überprüfung durch Mitarbeiter der Aufsichtsbehörde und des Krankenhauses ins OP-Besteck geraten.

"Das ist eine Katastrophe", sagt ein Eingeweihter. "Für wie blöd halten die uns eigentlich?"