Kent Brantly hat Ebola überlebt. Nun ist der Arzt mit seiner Familie für eine Woche nach Liberia zurückgekehrt, wo er sich mit dem aggressiven Virus infizierte. "Wir waren von gemischten Gefühlen beherrscht", berichtet der US-Amerikaner in der Fernsehsendung Today. Da sei zum einen Trauer über die vielen Patienten, Kollegen und Freunde, die er an das Virus verloren hat. "Aber auch tiefe Dankbarkeit für jene, die verschont blieben" und die nun dafür kämpfen, das Land schnellstmöglich wieder aufzubauen. Und das, obwohl die Gefahr weder in Liberia noch in Sierra Leone oder Guinea gebannt ist. 

Mehr als 10.500 Menschen sind seit Beginn der Epidemie in Liberia an Ebola erkrankt. Fast die Hälfte ist an den Folgen gestorben. Seit dem vergangenen Frühjahr blieben Neuinfektionen aus. Im Mai erklärte die Weltgesundheitsorganisation WHO das Land als "Ebola-frei". Doch in den vergangenen drei Wochen diagnostizierten Ärzte sechs neue Fälle – zwei Menschen starben, vier haben sich erholt und wurden entlassen. "Damit beginnt der Countdown von Neuem, während nahezu 150 Leute als mögliche Kontakte der Infizierten überwacht werden", sagt Brantly. Erst nach 42 Tagen ohne Neuinfektionen würde das Land wieder als frei von der Seuche gelten.

Laut den Centers for Disease Control and Prevention (CDC), einer US-amerikanischen Gesundheitsbehörde, handelt es sich bei den jüngsten Fällen um ein Cluster von Neuerkrankungen in der Region Margibi. Ein Team von Helfern vor Ort versucht derzeit herauszufinden, wer mit wem wann Kontakt hatte, um nachzuvollziehen, wie viele Menschen noch infiziert sein könnten. Genetische Analysen haben ergeben, dass das Virus stark jenem ähnelt, das im vergangenen Jahr in Liberia kursierte. "Damit ist es unwahrscheinlich, dass die Infektion aus Sierra Leone oder Guinea eingeschleppt wurde", heißt es auf der Seite der CDC.

Das Virus greift also auch in Liberia noch immer um sich. Es schlummert in Wirten, die Übertragungswege sind vielfältig. Wer sich nicht bei Erkrankten oder Verstorbenen ansteckt, kann sich auch über den Verzehr von Buschfleisch infizieren. Auch Männer, die die Infektion bereits überstanden haben, können durch ungeschützten Geschlechtsverkehr das Virus übertragen. Bis zu 82 Tage kann es im Sperma nachgewiesen werden.

"Der Ausbruch ist nicht beendet"

Sierra Leone und Guinea sind noch weiter von Stabilität entfernt als Liberia. Wöchentlich gibt es dort 20 bis 30 neue Fälle. "Der Ausbruch, wenn er auch langsamer als im vergangenen Sommer verläuft, ist nicht beendet", sagt Brantly. "Noch immer sterben Menschen." Die Nationen kämpfen weiterhin damit, die Krankheit auszumerzen, um ihre zerrütteten Gesundheitssysteme wieder aufzubauen. Seit Beginn der Epidemie haben sich weltweit mehr als 27.600 Menschen mit dem Virus infiziert. Mehr als 11.200 überlebten die Krankheit nicht.

Zu Beginn dieser Woche haben sich in der liberianischen Hauptstadt Monrovia Gesundheitsexperten der drei westafrikanischen Länder getroffen, um sich über Erfahrungen auszutauschen: Wie ließen sich Neuansteckungen am besten verhindern? Wie Personal schulen? Wie steht es derzeit um die Wasserversorgung und Hygiene? Und was lässt sich aus den Fehlern der letzten Monate für künftige Seuchen lernen? Die Ergebnisse der Konferenz sollen in Kürze veröffentlicht werden.